Gedenken
Rebellion der Schmetterlinge
Apostelkirche Eimsbüttel
Bei der Apostelkirche
20257 Hamburg
Hier sind noch mehr Infos
19 Uhr
Konzert mit Sybille Förster
20 Uhr
Erinnern heißt widersprechen
Impuls und Gespräch mit Tobias Pfeifer
Getränke und Snacks stehen während des Gesprächsteils der Veranstaltung zum Kauf bereit.
Der Abend erinnert nicht nur an eine vergangene Zeit – er fragt nach unserer Gegenwart.
Am 9. November erinnern wir an die Novemberpogrome 1938 und an die Menschen, deren Leben durch antisemitische Ausgrenzung, Verfolgung und Gewalt zerstört wurden. Zugleich hören wir Lieder, Gedichte und Texte, die von Widerstandskraft, Verletzlichkeit, Humor und der Freiheit der Kunst erzählen.
Im ersten Teil des Abends kommen, gestaltet von Sybille Förster, Chansons und Texte von Friedrich Hollaender, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko, Rose Ausländer, Georg Kreisler und anderen zum Klingen. Ihre Stimmen zeigen, welche Kraft Wort, Musik, Satire und Poesie gerade in dunklen Zeiten entfalten können. Sie können trösten und irritieren, Erinnerung bewahren, Unrecht benennen und Widerspruch hörbar machen.
„Protest nach Noten“ ist dabei mehr als ein Motto. Kunst kann sichtbar machen, was sich nicht leicht sagen lässt. Sie kann zum Denken und Fühlen anregen – und manchmal den Mut geben, selbst die Stimme zu erheben. Auch Humor kann eine Form der Freiheit und Selbstbehauptung sein: nicht als Verharmlosung des Schreckens, sondern als Weigerung, sich Würde, Sprache und Lebendigkeit nehmen zu lassen.
"Der Titel „Rebellion der Schmetterlinge“ verbindet für uns Leichtigkeit und Kraft", sagen Sybille Förster und Tobias Pfeifer. Ein Schmetterling ist zart, verletzlich und frei. Vielleicht beginnt Widerspruch nicht immer laut und groß, sondern mit einem Gedanken, einem Lied, einem Satz oder einem Lachen. Und vielleicht kann gerade daraus etwas in Bewegung kommen.
Aus den künstlerischen Stimmen des Abends öffnet sich der Raum für die Gegenwart. Unter dem Titel „Erinnern heißt widersprechen“ lädt Tobias Pfeifer, Beauftragter der Nordkirche für den Christlich-Jüdischen Dialog, im zweiten Teil zu Impuls und Austausch ein. Was bedeutet Erinnerung, wenn antisemitische Bilder, Schuldzuweisungen und Bedrohungen auch heute zum Alltag jüdischer Menschen gehören? Wie können wir genauer hinsehen, wo Minderheiten ausgegrenzt werden und stattdessen solidarisch handeln?
Sybille Förster und Tobias Pfeifer verbinden an diesem Abend unterschiedliche biografische Erfahrungen und Arbeitsfelder: Musik, Sprache, Erinnerung und Dialog. Gemeinsam möchten sie einen Raum eröffnen, in dem Geschichte lebendig wird, Fragen entstehen und Menschen miteinander ins Gespräch kommen.
Wir erinnern, um wach zu bleiben.
Und wir widersprechen, damit Menschenwürde, Vielfalt und Freiheit nicht zur Disposition stehen.
Sybille Förster
Sängerin, Sprecherin und Pianistin
Meinen ersten Klavierunterricht erhielt ich mit fünf Jahren. Später sang ich im Rundfunkjugendchor Wernigerode. An der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin studierte ich Chorleitung, in Dresden Kirchenmusik. Anschließend absolvierte ich ein Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg.
Seit 1994 führe ich mein eigenes Musikstudio und gebe Gesangs- und Klavierunterricht für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Auch der Kammerchor vocALTONArt in Ottensen gehörte zu meiner intensiven musikalischen Arbeit. Seit 2008 arbeite ich außerdem als Stimmcoach in Präsentationsseminaren mit internationalen Studierenden an der TUHH sowie mit Trainees der Asklepios-Kliniken.
Als Sängerin wirkte ich in zahlreichen Opernproduktionen und Oratorien mit und trat solistisch am Thalia Theater, an den Kammerspielen und in der Laeiszhalle auf. Außerdem gestaltete ich diverse Liederabende. Mein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung eigener Programme, solo oder im Ensemble. Dazu gehören GRENZGÄNGERin, Alle meschugge? und Mauer_Reste eine SuperGAUdi sowie viele weitere Programme.
2025 gründete ich das VOICEPRINT STUDIO. Dort arbeite ich als Sprecherin für Hörspiele und Voice-over-Produktionen.
Der Apostelkirche in Eimsbüttel bin ich seit vielen Jahren eng verbunden und arbeite dort organisatorisch und künstlerisch mit. Besonders intensiv war die Zusammenarbeit mit dem Bundesjugendballett, mit dem bereits zwei gemeinsame Projekte entstanden sind.
Tobias Pfeifer
Beauftragter der Nordkirche für den Christlich-Jüdischen Dialog
Tobias Pfeifer ist seit 2024 Referent für Christlich-Jüdischen Dialog und den Mittleren Osten im Ökumenewerk der Nordkirche und Beauftragter der Nordkirche. Aufgewachsen ist er in einem weltoffenen Pfarrhaus an der schleswig-holsteinischen Westküste und in Schleswig. Musik spielt in seinem Leben seit früher Kindheit eine wichtige Rolle.
Nach dem Zivildienst studierte er Evangelische Theologie in Bethel, Leipzig, Jerusalem und Münster. Besonders prägend war für ihn ein Studienjahr in Jerusalem mit Studium in Israel e.V.. Sein Vikariat absolvierte er in Wendeburg; anschließend war er Pastor in Winnigstedtund elf Jahre in der Kirchengemeinde Nusse-Behlendorf tätig.
Heute arbeitet Tobias Pfeifer an der Pflege und Weiterentwicklung jüdisch-christlicher Beziehungen, an antisemitismuskritischer Bildungsarbeit sowie an Fragen von Frieden, Menschenrechten und Dialog im Nahen Osten. Er begleitet Partnerschaften mit israelischen, palästinensischen und internationalen Organisationen wie Parents Circle Families Forum, Rabbis for Human Rights, den Hand in Hand-Schulen in Israel sowie der Lutherischen Kirche in Palästina und entwickelt Bildungs- und Gesprächsformate für Gemeinden, kirchliche Multiplikator:innen und politische Akteur:innen. Seine Arbeit ist geprägt von einer dialogischen Haltung, doppelter Empathie und dem Einsatz für gleiche Würde, Sicherheit und Rechte aller Menschen.