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Am 26. Februar 1808 ist Elise Averdieck in Hamburg geboren, eine der neuen Apostel im Altarraum der Apostelkirche. - Rechtes Chorfenster, Zweite von unten.

Elise Averdieck war Gründerin des Kranken- und Diakonissenmutterhauses Bethesda in Hamburg, Schulleiterin und Schriftstellerin. Sie wurde als zweites von zwölf Kindern eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Nachdem sie bereits lesen und schreiben gelernt hat, begann mit zehn Jahren ihr Unterricht bei dem Pfarrer Johann Wilhelm Rautenberg. Nach ihrer Konfirmation 1823 verließ Elise Averdieck die Schule, um ihrer Mutter bei der Versorgung des großen Haushalts zu helfen. Allerdings merkte sie, dass ihr ein Hausfrauendasein als Lebensaufgabe bei Weitem nicht genügte.  Mit 21 verfasste sie folgende Zeilen: „Ein jeder Mensch, er sei Mann oder Weib, lerne so viel und so lange er kann, zu viel lernt man nie…Das Weib hat eine schöne, herrliche Bestimmung…und die ist nicht allein, den Hausstand zu führen…Warum haben ferner die Männer ein Vorrecht, mehr lernen zu dürfen als die Frauen?“ 1837 eröffnete sie in St. Georg, ein damals wenig angesehener Stadtteil, eine Vorschule für Knaben. Außerdem übernahm sie in der St. Georger Sonntagsschule Rautenbergs die Mädchenabteilung.

Elise Averdieck arbeitete ab 1856 nicht mehr als Lehrerin, sondern zusammen mit Amalie Sieveking im „Frauenverein für Armen- und Krankenpflege“, gründete das evangelische Krankenhaus Bethesda und wenig später ein Diakonissen-Mutterhaus. Bethesda wurde 1860 offiziell Ausbildungsstätte für christliche Krankenpflegerinnen. Averdieck wurde Vorsteherin und blieb es bis 1881.

Elise Averdieck wird auch in der Ausstellung „…von gar nicht abschätzbarer Bedeutung_ - Frauen schreiben Reformationsgeschichte“ vorgestellt. Im Ausstellungskatalog heißt es über sie: „Sie verband Realitätssinn und tiefe Religiosität mit dem Dienst an den Nächsten – ob es Kinder, Arme, Sieche und Kranke waren. Sie setzte dabei ihr großes organisatorisches Talent zur Gründung von Ausbildungseinrichtungen, wie des ersten Diakonissenmutterhauses in Hamburg und später in Braunschweig, ein. Zu dienen blieb für Elise Averdieck weibliche Bestimmung. Dennoch waren für sie Selbstständigkeit, Bildung, Professionalität und Berufstätigkeit von Frauen dazu kein Widerspruch. Sie selbst lebte diese Überzeugung in den Formen des bürgerlichen Lebens, das sie geprägt hatte. Averdieck starb am 4. November 1907 im Alter von 99 Jahren.“