Impuls für den 15. September 2020

 

Impuls für den 15. September 2020

Angesichts der bedrückenden Situation für die Geflüchteten auf der griechischen Insel Lesbos sind die Reaktionen der europäischen Regierungen und der europäischen Kommission in Brüssel beschämend und ernüchternd. Wo sofortige Hilfe für die Menschen in Not nötig wäre, wird alles auf die lange Bank geschoben und dominieren strategische Überlegungen. Es ist erschreckend, wieviel Zynismus angesichts der humanitären Notsituation von offiziellen staatlichen Stellen zu hören ist. Die biblischen Propheten waren in solchen Situationen sehr klar und deutlich. Wo Menschen in Not sind, muss geholfen werden. Wo Menschen in Not sind, ist es wichtig, sie nicht nur zu vertrösten, sondern ihnen eine Lebensperspektive zu eröffnen. So heißt es beim Propheten Jesaja: „Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“ (Jesaja 58, 7) Das sogenannte christliche Europa entzieht sich im Moment dieser konkreten Verantwortung. Hilfe ist immer konkret, sonst ist es keine Hilfe. Insofern ist es ein Lichtblick in dieser bedrückenden Situation, dass manche Kommunen und Bundesländer und manche nichtstaatlichen Organisationen aus der Zivilgesellschaft Hilfen und Unterstützung für die Geflüchteten auf Lesbos einfordern und praktizieren. Das reicht zwar im Moment nicht aus, aber es eröffnet eine Perspektive für die Menschen, die sofortige Hilfe benötigen.

Pastor Helmut Kirst