Impuls für den 12. September 2020

 

Impuls für den 12. September 2020

Im Stadtteil fällt mein Blick auf ein abgeblättertes Vogelhaus. Ich denke an meine Lust, jetzt im Herbst „Nestbau“ zu betreiben. Hier und da habe ich eine Idee zum „schöner Wohnen“: Eine neue Kuscheldecke für das Sofa, gute Teesorten, die Feuerstelle wieder bereiten und vielleicht ein neues Bild aufhängen mit Farben des Frühlings oder Sommers. Erinnerungen anwärmen, die ich mitnehmen möchte in die kälter werdende Zeit und die kürzer werdenden Tage. Ich habe Lust, gut gestärkt und ummantelt in das länger werdende Dunkel hinein zu gehen und mich heiter, leicht und warm zu halten.

Ich sehe auf das abgeblätterte Vogelhaus. Ich muss an diesen Satz aus der Bibel über Jesus denken: „...die Vögel haben ihre Nester, der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ Wie konsequent Gott bei den Menschen bleibt, im Kontakt. Nicht an den Dingen festklebt. Ein Gott und Menschenfreund, der immer „im Jetzt“ bei den Leuten ist. Mitgeht.

Die „Jesus Alternative“ erinnert mich auf gute Weise daran, reale oder gesellschaftliche Kälte nicht (nur) mit Nest-Rückzug zu beantworten. Die Familie als Sinnstiftung, den Stadtteil, das Lieblingscafé, das Volk, die Heimat als Bezugspunkt nicht über zu bewerten.

 

Die „Jesus Alternative“ erinnert mich: „Im Jetzt“ leben kann heißen, in der Liebe Gottes umhüllt sein. Getragen und gesegnet Ambivalenzen aushalten und hindurch schwimmen. "Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht, Liebe dir ergeb‘ ich mich“ sagt ein Gesangbuchlied.

Lächelnd blicke ich auf das abgeblätterte Vogelhäuschen zurück und bedanke mich für diese Erinnerung.

Pastorin Frauke Niejahr