Impuls für den 3. September 2020

 

Impuls für den 3. September 2020

»Manchmal ist meine Angst riesengroß, weiß nicht, wie werd’ ich sie wieder los. Wer hört meine Klagen und wer wird mir sagen, mit freundlichem Gesicht: Fürchte dich nicht!«

Mir sagte das letztens ein Mülleimer bzw. ein Aufkleber auf einem Mülleimer. Und ich fand es irgendwie tröstlich, als ich das las.

Ja, wer sagt uns solche Worte heute eigentlich noch? Momentan gibt es nämlich einiges, was mich zum Fürchten bringt. Menschen, wie du und ich, die mit Nazis auf die Straße gehen und ihre Demonstrationsfreiheit nutzen, um für Freiheit zu demonstrieren, Menschen, wie du und ich, die im Namen der Gesundheit fordern, Erfordernisse der Gesundheit abzuschaffen, Menschen wie du und ich, die im Namen der Wahrheit verlangen, alternative Wahrheiten zuzulassen, Menschen, wie du und ich, die mit der Demokratie im Rücken, der Demokratie zu Leibe rücken.

Ich fürchte unsichtbare Viren, die eine ganze Welt in Atem halten und vielen den Atem nehmen.

Ich fürchte eine Gesellschaft, die mit der Systemrelevanz Systemirrelevanz produziert und Bildung, Kunst und Kirche marginalisiert.

Ich fürchte ... Noch mehr als alles andere fürchte ich die Furcht und was sie mit uns macht.

 

Was lässt Sie fürchten?

Wo sind die freundlichen Gesichter, die unserer Furcht den Wind aus den Segeln nehmen?

Es sollte doch mehr geben als Aufkleber auf Mülleimern, oder?

| Pastorin Maria Gutjahr