Impuls für den 28. August 2020

 

Impuls für den 28. August 2020

STOLPERN

In welche Spuren wir unsere Kinder wohl treten lassen, frage ich mich immer häufiger! Welches Bewusstsein bekommt meine Tochter beispielsweise für ihre Weiblichkeit mitgegeben? Wie kann ich ihr eine Weiblichkeit nahebringen, die entspannt und ausgewogen mit all ihren Facetten umgeht? Durch die Straßen Hamburgs schlendernd, entdeckte meine Tochter jene Darstellung, die man auf dem Bild sehen kann. Fest eingelassen in den Boden stolperte sie fast darüber und auch meine Wahrnehmung schien ins Stolpern zu geraten, denn mir war zunächst nicht klar, was ich da gesehen hatte. War es eine kleine künstlerische Darstellung, die mich sehr an Maria erinnerte oder war da noch etwas? Mein Denken spielt mir einen Streich, lässt mich weiterstolpern, indem es mir ein Bild anbietet, das an dieser Stelle nicht wirklich erwartbar, aber durchaus möglich war, die Jungfrau Maria. Lasse ich mich auf die Wahrnehmungssplitter ein, die mir die ursprünglichsten zu sein scheinen, muss ich allerdings sagen, dass ich wohl zuerst die Umrisse einer Vulva und erst dann eine Mariendarstellung gesehen habe.

Mein Stolperer gibt mir zu denken. Wie weit sind wir alle wirklich damit, Weiblichkeit ungefiltert leben und erleben zu können? Wir alle, ich, Sie, Kirche und Gesellschaft … Welche Weichen stellen wir für unsere Kinder, welche Stolpersteine werden wir einfach nicht los? Welche Räume können wir wirklich eröffnen, welche verteidigen und in welche trauen wir uns wirklich einzutreten? Es geht natürlich um unsere Kinder, aber nicht nur, sondern um uns alle, hier und jetzt!

Weil es mich wirklich interessiert: Was sehen Sie? 

Pastorin Maria Gutjahr