Geistliche Angebote

 

Impuls für den 6. Mai 2020

10 Gebote für die Corona-Zeit

  1. Du sollst deine Mitmenschen lieben, komm ihnen aber gerade deswegen nicht zu nahe. Übe dich in „liebevoller Distanz“. Auf deine Gesundheit und die deiner Mitmenschen zu achten ist immer wichtig. Jetzt kann es lebenswichtig werden.
  2. Du sollst nicht horten – weder Klopapier noch Nudeln und schon gar keine Desinfektionsmittel oder gar Schutzkleidung. Die werden in Kliniken gebraucht, nicht im Gästeklo zu Hause.
  3. Die Pandemie sollte das Beste aus dem machen, was in dir steckt. Keinen Corona-Wolf und kein Covid-Monster, sondern einen engagierten, solidarischen Mitmenschen.
  4. Du solltest ruhig auf manches verzichten. Quarantäne-Zeiten sind Fastenzeiten. Dafür gewinnst du andere Freiheit hinzu.
  5. Du sollst keine Panik verbreiten. Panik ist nie ein guter Ratgeber, zu keiner Zeit. Gesunder Menschenverstand und Humor dagegen schon. Deshalb hör auf Fachleute, beruhige andere und schmunzele über dich selbst. Da macht man erst mal nichts falsch, und es trägt sehr zur seelischen Gesundheit bei.
  6. Du solltest von „den Alten“ lernen. In früheren Zeiten von Seuchen und Pestilenz, als es noch keine so gute Medizin wie heute gab, halfen Menschen vor allem ein gesundes Gottvertrauen und die tätige Fürsorge füreinander. Das ist auch heute sicher hilfreich.
  7. Du solltest vor allem die Menschen trösten und stärken, die krank werden, leiden oder sterben. Und auch die, die um sie trauern. Sei der Mensch für andere, den du selbst gern um dich hättest.
  8. Du solltest anderen beistehen, die deine Hilfe brauchen: Einsamen, Ängstlichen, Angeschlagenen. Oder Menschen, die jetzt beruflich unter Druck geraten. Das hilft nicht nur ihnen, sondern macht dich auch selbst frei.
  9. Du solltest frei, kreativ und aktiv mit der Pandemie umgehen. Dazu sind wir von Gott berufen. Du wirst am Ende vielleicht überrascht sein, was sie Positives aus dir und anderen herausholt.
  10. Du solltest keine Angst vor Stille und Ruhe haben. Wenn die Quarantäne zu mehr Zeit zum Umdenken, zum Lesen und für die Familie führt, wäre das ein guter „sekundärer Krankheitsgewinn“.

(von Thorsten Latzel, Leiter der Ev. Akademie Frankfurt)

 Pastor Helmut Kirst

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Impuls für den 5. Mai 2020

Singen in einem Chor: das macht Spaß und tut gut. Nicht nur der Seele. Wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Chorsänger*innen seltener schwer erkranken und sogar länger leben, als Menschen, die gar nicht singen.
Singen im Chor: durch Covid 19 ist das zu einer großen Gefahr mutiert. In Folge einer Chorprobe im vergangenen März haben sich 60 von 80 Mitglieder der Berliner Domkantorei mit dem Virus infiziert, auch der Chorleiter, der in großem Abstand zu den Choristen stand.
Da kommen die fiesen Aerosolen ins Spiel. Ein infizierter Mensch in einem geschlossenen Raum reicht, um durch Ein- und Ausatmen nach einer gar nicht langen Zeit den ganzen Raum mit Viren zu füllen.
Es ist gemein. Eine so schöne Sache wie das Singen im Chor wird wer weiß wie lange untersagt bleiben müssen.
Wie wunderbar, dass es überall kreative Musiker*innen gibt, die sich Alternativen dazu haben einfallen lassen. Zum Beispiel Chorproben online. Oder Chorgesang aus den einzelnen Wohnungen, dann zu einem wohlklingenden Ganzen per Computer zusammengefügt.
Es ist nicht dasselbe. Klar. Aber allemal besser, als zu verstummen.
Pastorin Rossella Casonato

 

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Impuls für den 4. Mai 2020

Mögest du immer einen Freund an deiner Seite haben,

der dir Vertrauen gibt,

wenn es dir an Licht und Kraft gebricht.

(Irischer Segenswunsch)

 

Ein Merkmal glücklicher Menschen ist, dass sie Freundinnen und Freunde haben, Menschen, mit denen sie verbunden sind. Freundinnen und Freunde befreien vom Kreisen um sich selbst, sie machen die eigene kleine Welt groß.

Für mich steht daher fest: Für sie nehme ich mir Zeit. Ich höre zu, bin an dem, was sie fühlen und denken, interessiert. Ich achte darauf, dass der Kontakt zu ihnen nicht abreißt, sei der Alltag auch noch so hektisch.

In diesen Zeiten ist das nicht immer leicht. Glücklicherweise gibt es für viele von uns Möglichkeiten, anders als physisch-analog die Verbindung zu befreundeten Menschen zu halten. Aber manches Selbstverständliche funktioniert nicht mehr: das Feiern, die gemeinsame Unternehmung jedweder Art.

Trotzdem bin ich dankbar. Und froh, dass ich Kontakt halten kann. Und ich freue mich über die, die all jene bedenken, die das nicht so ohne weiteres können. Weil sie mit den Möglichkeiten des Internets nicht vertraut sind. Und die diesen Ungeübten den Umgang mit dem fremden Medium beibringen, ihnen so ermöglichen, Verbindungen zu halten.

 

Einfach so. Aus Menschenliebe heraus. Fast freundschaftlich. Danke.

Pastor Michael Babiel

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Impuls für den 2. Mai 2020

Morgen ist Sonntag Jubilate!

Ein Sonntag, der uns zum Jubeln und Jauchzen aufruft.

Doch worüber und wie können wir dieser Tage eigentlich jubeln?

Diese Frage haben wir unseren Konfirmand*innen und ihren Eltern gestellt.

Die Mutter eines Konfirmanden jubelt berührend still. Stiller als sonst:

"Mein Jubel ist da. Aber es ist ein stiller.

Ich stehe und staune:

Über meinen alten Vater, der beim Skypen erst Witze macht, dann plötzlich weggeht und sich einfach seinen Willen nicht nehmen lässt.

Über meine Schüler, still und vorsichtig, versteckt hinter den Stoffbinden, darauf wartend, dass endlich wieder Schule ist.

Über meine Tochter, die mit Klarheit und Kraft ihr Abitur bewältigt und nur einmal leise Tränen in der Küche weint, weil alles so viel ist.

Über unsere Freunde, die uns fehlen und doch so nahe sind.

Ich stehe und staune.

Ich versteh nicht alles und ich brauche viel Geduld.

Aber du, mein guter Gott, umgibst mich, hältst mich, trägst mich, stützt mich.

Das ist mein stiller Jubel. Dafür danke ich dir."

 

Und Sie? Und Du?

Morgen ist Sonntag Jubilate!

 

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Impuls für den 1. Mai 2020

1. Mai 2020. Tag der Arbeit in Corona-Zeiten. Zum ersten Mal seit 1949 wird es keine Demonstrationen und Kundgebungen geben. Der Deutsche Gewerkschaftsbund schreibt: "Denn in Zeiten von Corona heißt Solidarität: mit Anstand Abstand halten."
Es wird immer wieder von den "systemrelevanten" Berufen gesprochen. Die meisten von ihnen sind schlecht bezahlt und werden überwiegend von Frauen ausgeführt. Am heutigen 1. Mai bedeutet für mich Solidarität: die Krankenschwestern, Kassiererinnen, Erzieherinnen, Altenpflegerinnen und alle anderen Frauen in unter Wert bezahlten Berufen noch mehr und besser wert zu schätzen und ihnen zu zeigen: Ihr seid nicht alleine! Wir unterstützen euch. Nicht nur mit dem abendlichen Klatschen.
Pastorin Rossella Casonato

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Impuls für den 30. April 2020

Ich schätze den katholischen Theologen und Dichter Huub Oosterhuis sehr. Einmal hat er das „Veni sancte spiritus“ aus dem 9. Jahrhundert frei übersetzt. Es passt in so manche Tage unseres Lebens, gerade auch in diese für viele von uns schwierige Zeit. Und so sieht dieser Hymnus, dieses Lied aus:

 

Hierher, Atem, zünd mich an,

schick aus deiner fernsten Ferne

Wellen Lichts.

 

Komm Armeleutevater

Komm oberster Mundschenk

Komm Herzensjäger.

 

Bester Tränentrockner

lieber Seelengast

mein Freund mein Schatten.

 

Einmal ausruhen

für Grübler und Geschundene,

du, Atempause den Verkrampften.

 

Unerträglich schönes Licht

überschütte den Abgrund

meines Herzens, du Vertrauter.

 

Gott bist du und ohne dich

ist alles Nacht und Nebel,

Qual und Schuld,

 

du aber machst rein.

Meine Blüte welkt – gib Wasser,

salbe meine Wunden.

 

Steif steh ich da, Eintritt verboten,

gefroren. Tau mich sorgsam auf.

Such mich Verirrten.

 

Ja sag ich dir, nein tu ich dir.

Vergilt den Zweifel mit Freundschaft

siebenmal tausendmal

 

Nichts bin ich ohne dich.

Tot will ich zu dir hin.

Und ich werde lachen.

 

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Impuls für den 29. April 2020

»Mami, weißt du eigentlich, wer die Eltern vom Regenbogen sind?«, fragt das Kind und wartet die Antwort gar nicht erst ab: »Das sind natürlich die Sonne und der Regen.« Fröhlich schaut sie wieder auf ihr Bild, das sie gerade malt – einen Regenbogen. Ja, bei allem verführerischen Sonnenschein, der das Leben erstrahlen lässt, braucht es auch den Regen. Das Graue, Nasse, aber auch Reinigende. Bei all dem Sonnenschein ruft die Erde geradezu danach, dass sie den Regen ersehnt. Ohne den Regen im Zusammenspiel mit der Sonne gäbe es keinen Regenbogen. Regenbögen sind ein Zeichen von Hoffnung. Deshalb gibt es auch die Aktion »Regenbogen«. Kinder gestalten zuhause einen Regenbogen und kleben ihn an die Haustür. Andere Kinder können auf ihren Spaziergängen die Regenbögen suchen und zählen. Und gleichzeitig sehen sie, dass eine Menge anderer Kinder gerade auch zuhause bleiben müssen. Lasst uns Regenbögen in die Fenster und Türen hängen, wo immer es ein Kind gibt oder jemand sich als Kind fühlt. Es sind Zeichen der Hoffnung – mit der Sonne im Rücken können wir Regenbögen sehen!

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Impuls für den 28. April 2020

Wache Du, Gott, mit denen,

die wachen oder weinen in dieser Nacht

und verzagt sind am Tag.

Hüte Deine Kranken,

lass Deine Müden ruhen.

Segne Deine Sterbenden.

Tröste Deine Leidenden.

Erbarme Dich Deiner Betrübten.

Und sei mit Deinen Fröhlichen

und mit uns allen

um Deiner unendlichen Liebe willen.

Amen

(Gebet nach Augustinus)

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Impuls für den 27. April 2020

Masken tragen: Ab Heute ist es Pflicht. Ich gestehe, bis vor dieser Corona-Krise waren die einzigen Masken, die ich je getragen habe, die venezianischen Karnevalsmasken. Und früher, wenn ich in der U-Bahn Menschen asiatischen Aussehens mit Mundschutz gesehen habe, konnte ich nicht anders, als mir irgendwelche schreckliche Krankheiten ausmalen, die sie womöglich hatten. Ich war nicht so weit, daran zu denken, dass es zum Schutz anderer Menschen gedacht war. Inzwischen weiß ich es besser: Christian Drosten, Eckhart von Hirschhausen und viele weitere Promis verkünden es seit Tagen: Es geht um den eigenen, aber vor allem um den Schutz anderer Menschen. Masken tragen als Zeichen der Nächstenliebe. Das leuchtet mir ein! Das tue ich gerne! Als Pastorin mit gutem Beispiel voran.
Rossella Casonato

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Impuls für den 25. April 2020

Das Christentum war lange genug auch eine Angstmachreligion. Katastrophen privater wie kollektiver Natur wurden als Ergebnisse menschlicher Sünden betrachtet. Das heißt: Gott sanktioniert auf diese Weise unsere menschlichen Verfehlungen. Das derzeitige Verhängnis der Corona-Pandemie wäre also als Strafe Gottes zu verstehen. Wenn man denn so denken oder glauben will. Das geschieht nun – leider – auch heute noch. Manchmal in das Gewand sanfter Esoterik gekleidet, manchmal klar und deutlich wie oben ausgesprochen.

Manche Anhänger*innen solch eines Weltbildes scheinen sogar der Auffassung zu sein, dass das Schließen von Kirchen mangelnden Glauben an Gott zeige - denn wer sich tatsächlich ansteckt und krank wird, habe eben nicht genug geglaubt.

Es gruselt mich angesichts einer derartigen Einstellung. Wir haben es doch mit einem ganz anderen, einem anti-menschenverachtenden Gott zu tun, der (so habe ich jedenfalls unsere Religion immer verstanden) in diesem wunderbaren Menschen Jesus von Nazareth sein Gesicht gezeigt hat: Nämlich bei den Leidenden zu sein. Das ganze Wirken und das Sterben dieses Menschen bringt genau das auf den Punkt: Niemand wird jemals von diesem durch alles hindurch begleitenden Gott verlassen. Gott teilt unser Los und beschenkt uns mit Freiheit.

Sich dieses Verständnis selbst zu eigen zu machen, zu einer Haltung werden zu lassen, ist das Entscheidende: Immer wieder um Gottes liebevolle Gegenwart in jeder Lebenssituation zu bitten, um das Vertrauen und den Glauben, dass dem auch wirklich so sei – und sich dann selbst auch was zu trauen: Nämlich bei den leidenden Nächsten zu sein, sich nicht vor ihnen verschließen. Und diese Welt ein bisschen gottgemäßer zu machen, ja, im Wirken mit Gott zusammen die Schöpfung zu vollenden.

Denn der christliche Glaube ist in eine große, überpersönliche Hoffnung hineingestellt: nämlich die, dass Gott am Ende alle Tränen abwischt (Offbg. 7,17). Und mit der Auferweckung Jesu, mit dem Sieg des Lebens und der Liebe, ist diese neue Schöpfung bereits angebrochen.

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Impuls für den 24. April 2020

Gefühlt ist es so: Seit Beginn der Corona-Krise haben wir wunderschönes Frühlingswetter. Die Sonne scheint immer länger und immer kräftiger, das tut der momentan strapazierten Seele gut. Einerseits. Andererseits hat es zu lange nicht geregnet, die Landwirt*innen machen sich große Sorgen um die Ernte, eine Dürreperiode wäre für sie und überhaupt schlimm.
Apropos Natur und Umwelt: In dieser Coronazeit mit den vielen Einschränkungen gibt es so wenig CO2-Emissionen wie schon lange nicht mehr. Die Natur erholt sich, das geht sogar relativ schnell.
Einerseits. Andererseits. So gut wie alles, was geschieht, hat zwei Seiten. Das finde ich manchmal schwer auszuhalten. Anstrengend. Einerseits. Andererseits lerne ich Tag für Tag, damit zu leben und entdecke eine neue Fähigkeit zu Gelassenheit. Denn "Gott lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte". In diesem Sinne: Genießt die Sonne und betet, dass es bald regnet.
Pastorin Rossella Casonato

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Impuls für den 23. April 2020

Systemrelevanz-Gerangel

„Ich bin systemrelevant! Auf jeden Fall!“

„Unsere Gottesdienste sind definitiv systemrelevant.“

„Also ich brauche als erstes den Notbetreuungsplatz. Meine Tätigkeit ist unverzichtbar.“

„Meine ist von noch viel höherer Bedeutung!“

„Und meine erst“!

 

Ich frage mich: Wer ist eigentlich NICHT systemrelevant? Was ist eigentlich NICHT systemrelevant?

Und ich denke: Wenn ich die Brennweite anders einstelle, sind wir doch alle systemrelevant, mit dem was wir sind und was wir tun. Wir alle haben Bedeutung für dieses System und in diesem System. Denn das System ist ja nur genau dieses System, weil wir da sind.

Vielleicht kann uns dieser Blick ein bisschen bescheidener machen und dem Gerangel in der Kita-Notbetreuungsschlange oder dem heischen nach dem früheren Termin, um wieder das gewohnte Vor-Corona-Niveau hochzufahren, die Schärfe nehmen.

Und weil ich glaube, dass das Gerangel zu einem großen Teil der Erschöpfung geschuldet ist, und weil ich glaube, dass gegen Erschöpfung gute Worte, Rückenstärkung, Zuspruch helfen, und weil ich glaube, dass Segen genau das ist, gibt’s jetzt noch einen Segen für alle systemrelevant-erschöpften Mitmenschen:

Gott segne dich und behüte dich!

                In deine Schutzlosigkeit und in deine Erschöpfung

                lege ich meinen Zuspruch.

Gott lasse leuchten ihr Angesicht über dir und sei dir gnädig!

                In deinen Glanz und in deine Größe

                lege ich meinen Zuspruch.

Gott erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden!

                In dein Fühlen,

                in dein Denken,

                in dein Handeln

                lege ich meinen Zuspruch:

Ich bin da!

Amen.

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Impuls für den 22. April 2020

Die Corona-Krise macht sichtbar und deckt auf, wo auch unabhängig von dieser aktuellen Situation Probleme in unserer Gesellschaft liegen, die einer Veränderung bedürfen. So wird beim Schulunterricht über das Internet deutlich, dass nicht für alle Kinder und Jugendlichen die nötigen Voraussetzungen gegeben sind. Gleiche Bildungschancen für alle - leider Fehlanzeige. Wer ein Haus mit Garten oder einen Kleingarten hat, ist in der jetzigen Situation besser dran, als wer mit seiner Familie in einer Etagenwohnung ohne Balkon leben muss. Die momentane Wertschätzung für Menschen, die in der Pflege arbeiten, ist sehr begrüßenswert und wichtig. Aber diese Wertschätzung muss sich auch ausdrücken in der Ausbildung, in der Bezahlung und in den Arbeitsbedingungen für Menschen in pflegenden Berufen. Bisher war davon wenig zu spüren. Ob sich dies nachhaltig ändert, auch nach der Corona-Krise?

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Impuls für den 21. April 2020

Ich habe gerade einen neuen Begriff gelernt, der dann so neu auch wieder nicht ist, weil im Grunde jeder weiß, welches Phänomen mit ihm gemeint ist: »Katastrophen-Müdigkeit« bzw. »desaster fatigue« im Fachjargon. Spüren wir nicht alle, dass der gesellschaftliche Konsens, der uns in den letzten Wochen gemeinschaftlich zu Hause hat bleiben lassen, zu bröckeln beginnt? Wie lange soll das so noch weitergehen? Wann hört die große Einsperrung auf? Ist es wirklich so schlimm, wie ursprünglich angenommen? Keine Frage, nicht zu wissen, wann es wirklich besser wird, kann zu einer großen Belastung werden, die sich genauso schnell ausbreitet wie ein Virus und es noch um einiges gefährlicher macht. Kein Wunder also, dass eine solche Müdigkeit dazu taugt, die politischen und gesellschaftlichen Gräben, die für eine kurze aber paradiesische Weile überwunden, zumindest aber überbrückt schienen, wieder zu öffnen. Ab sofort heißt es nicht mehr, dass WIR dem Virus durch diese und jene Maßnahme sinnvoll begegnen können, sondern das Wir zerfällt wieder in partielle Akteure, die sich fragen, für WEN WELCHE Maßnahmen eigentlich sinnvoll sind und für wen nicht. Der pandemische Konsens weicht so langsam dem viralen Konflikt.

Bei einem Spaziergang durch Eimsbüttel konnte man einige Tage lang ein provokantes Graffiti an einem ansonsten sehr gepflegten Mietshaus entdecken: »STAY HOME IS A PRIVILEGE!« Man kann das sozialkritisch verstehen und sich sagen, ja, stimmt, was ist eigentlich mit all den Menschen, die auf der Straße leben und keinen Ort haben, an den sie sich zu ihrer eigenen und zur Sicherheit anderer zurückziehen können. Man kann das auch ökonomisch verstehen, d.h. man muss es sich leisten können, einfach zuhause zu bleiben, nicht für seinen Lebensunterhalt darauf angewiesen zu sein, die eigene Wohnung zu verlassen.

Wie auch immer man es versteht, es geht um Menschen, alle Menschen, nicht um Bilanzen, Statistiken oder Wahrscheinlichkeiten. Mit letzteren muss sich tatsächlich die Politik auseinandersetzen, muss Mittel und Wege finden, die sozialen und ökonomischen Härten abzufangen. Für alle anderen gilt es, das notwendige »Social Distancing« nicht in eine distanzierte Sozialität münden zu lassen.

 

 

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Impuls für den 20. April 2020

Impuls Osterwind

Der Komponist Helge Burggrabe schreibt zu einem Gedicht von Hilde Domin:

Mir hilft es, solche lyrischen Texte zur Ostergeschichte dazu zu nehmen, um dem tieferen Sinn von Ostern näher zu kommen. Die überlieferte Geschichte von Fest, Verrat, Gefangennahme, Tod am Kreuz und der Auferstehung Jesu ist sehr dramatisch und unglaublich. Da besteht zuweilen die Gefahr, dass wir sie wie holzschnittartig in ihren Bildern lassen, anstatt sie wirklich zu durchleben und an uns heranzulassen. Ich habe es in diesem Jahr genossen, endlich einmal Zeit zu haben, in Ruhe mit den Kindern Ostereier zu suchen. Das ist wirklich wichtig und schön, aber wenn Ostern nur aus Eier-suchen besteht, ist eine Chance der Erfahrung verpasst, die in dem Gedicht von Hilde Domin sehr treffend formuliert wird: Auferstehung ist immer möglich, plötzlich und unerwartet, und sie geschieht in unserem Herzen! Dann dreht sich das Klima des Herzens. Ich rufe hiermit auf zu einem geistig-spirituellen Klimawandel in unseren Herzen! Lasst uns diesen inneren Klimawandel leben, dann könnte der durch Gier und Anmaßung verursachte äußere Klimawandel vielleicht gestoppt werden. Leben wir aus der Kraft der Auferstehungszusage, dass der Tod zwar ein wichtiger Teil des Lebens ist, ein Verwandlungsschritt, aber das Leben letztlich immer stärker ist als der Tod. „Was die Raupe Ende der Welt nennt, nennt der Rest der Welt Schmetterling.“ (Laotse) 

So wie der Vogel 

innehält und sich wendet im Flug,

so jäh, so ohne Grund 

dreht sich das Klima des Herzens.

Weiße Flügelsignale im Blau, 

Auferstehung 

all unserer toten

Blumen

im Osterwind 

eines Lächelns

 Hilde Domin

 

 

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Impuls für den 18. April 2020

 „Alles wird gut!“ – Und wodurch?

Auf meinem Schoß sitzt mein verzweifelt weinendes Kind. Ich halte es an mich gedrückt. Spreche leise, fast beschwörend in das kleine zarte Ohr: „Alles wird gut!“

Ich selber wurde so getröstet als Kind und glücklicher- und hoffnungsvollerweise viele Kinder vor und neben mir und meinen Kindern.

Ich spreche diese Worte nicht selten, ohne mich selbst damit zu beschwören. Denn oft weiß ich gar nicht: Wie wird es gut? Wodurch wird es gut? Wie lange bleibt es gut oder wenigstens besser?

Und trotzdem haben diese Worte, liebevoll zugewandt in mein Ohr geflüstert, eine tröstende und stärkende Wirkung. Weil sie ausgesprochen werden, erschaffen sie einen Möglichkeitsraum. Auch, wenn die Brücke von der Wirklichkeit in die Möglichkeit für meinen Geist nicht denk- oder sichtbar ist. Noch nicht. Aber hineinfühlen in die Möglichkeit kann ich mich durch den liebevollen Klang der Worte, die ich in mein Herz nehme.

 

„Alles wird gut!“ – Und wodurch?

Weil wir die verantwortlich erlassenen Verordnungen befolgen: physische Kontakte minimieren, unser Leben social distanced einrichten, Hände waschen, oft Hände waschen, …

„Alles wird gut!“ – Und wodurch noch?

Ich glaube, alles wird vor allem auch dann gut, wenn wir aufeinander achten. Wenn wir unseren Blick weiten von uns selbst hin zu anderen. Hin zu anderen nicht nur in unseren Familien und der unmittelbaren Nachbarschaft. Hin zu anderen, mit denen wir eh nicht oder nie in Kontakt kommen. In unserer Gesellschaft. In unserer Welt. Wahrnehmen, was andere Menschen in Not bringt und Möglichkeitsräume denken, die Not lindern und Möglichkeiten zu Wirklichkeiten werden lassen.

„Alles wird gut!“ – Und zwar weil …

  • mich Menschen, die gerade selber ihren Job verloren haben, fragen, wo sich jetzt all die von Wohnungslosigkeit Betroffenen aufwärmen können?
  • eine Nachbarschaftsgruppe ein Konzept erdenkt und umsetzt, um eine Suppenküche für Menschen ohne Obdach einzurichten.
  • Menschen das, was sie übrig haben, an den Gaben-Zaun hängen.
  • ich auf dem Fußweg in die Gesichter der Menschen und nicht auf mein Handy schaue.
  • um 21:00h Klatschen und Glockenklang die Luft erfüllen.
  • die Gehwege mit #LeaveNoOneBehind bemalt werden und dahinter Menschen stehen, die Leben retten.
  • weil es am Notfalleinsatzort nur darum geht, Leben zu retten.
  • weil ein spontaner Dank auf ein Herz geschrieben und an eine Bäckereifiliale geklebt wird.

So werden alles-wird-gut-Möglichkeiten zu alles-wird-gut-Wirklichkeiten.

 

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Impuls für den 17. April 2020

Hoffnung fliegt durch die Luft. Mit Motorenbrausen durch die Luft. Ostern. Mit aller Ambivalenz. Glaube, der frei wie ein Vogel ist. Liebe, die sich verbreitet. Hoffnung, die sich ihren Raum nimmt. Gezogen vom schweren Vogel aus Metall: er will verbreiten... Die federleichte Neuigkeit. Es ist die Zeit: für Ostern. Mitten am Tag!

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Impuls für den 16. April 2020

Werden wir uns wundern? Oder in die alten Wege zurückkehren? Wie wird es weitergehen, wie wird es sein etwa im Herbst 2020? War die ganze Corona-Pandemie nur so etwas wie ein „Boxenstopp“, wie ich kürzlich gehört habe? Also kurz den Rennwagen anhalten, Benzin nachfüllen, Reifen wechseln lassen? Und dann geht es weiter wie bisher, mit Vollgas? Hin zu alten Zielen?

Oder wird etwas anders, neu sein? Werden wir uns wundern? Mut, genau das zu denken, macht mir z.B. Matthias Horx, ein bekannter Zukunftsforscher. Seine These: Ja, wir werden uns wundern! Die Zukunft kann die Richtung ändern.

Nur ein Beispiel: „Worüber werden wir uns rückblickend wundern? Wir werden uns wundern, dass die sozialen Verzichte, die wir leisten mussten, selten zu Vereinsamung führten. Im Gegenteil. Nach einer ersten Schockstarre fühlten viele sich sogar erleichtert, dass das viele Rennen, Reden, Kommunizieren auf Multikanälen plötzlich zu einem Halt kam. Verzichte müssen nicht unbedingt Verlust bedeuten, sondern können sogar neue Möglichkeitsräume eröffnen.“

Oder: „Wir werden uns wundern, wie weit die Ökonomie schrumpfen konnte, ohne dass so etwas wie »Zusammenbruch« tatsächlich passierte, der vorher bei jeder noch so kleinen Steuererhöhung und jedem staatlichen Eingriff beschworen wurde… Heute im Herbst, gibt es wieder eine Weltwirtschaft. Aber die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt. Sie wird gerade demontiert und neu konfiguriert. Überall in den Produktionen und Service-Einrichtungen wachsen wieder Zwischenlager, Depots, Reserven. Ortsnahe Produktionen boomen, Netzwerke werden lokalisiert, das Handwerk erlebt eine Renaissance. Das Global-System driftet in Richtung GloKALisierung: Lokalisierung des Globalen.“

Da können Sie nachlesen: https://www.diezukunftnachcorona.com/die-welt-nach-corona/

Hinweis: Dieser Text ist frei abdruckbar mit dem Hinweis: www.horx.com und www.zukunftsinstitut.de.

Und über vieles andere werden wir uns wundern. Ja, sag ich mir, bitte, gern! Nicht schwarzmalen, sondern sehen, dass sich Bedeutungen verschieben, eine Kultur der Fürsorglichkeit, Pflege- und Gesundheitsarbeit wird aufgewertet. Das ist auch Kern christlicher, ver-rückter Zukunftshoffnung: gegen den Anschein der Übermacht des Bösen, alles Angsteinflößenden eine Dennoch-Hoffnung hochzuhalten. Eine Hoffnung, die sich traut anzunehmen, dass alles noch besser werden kann. Und, so Horx, den Blick von der Zukunft zurück ins heute wagt. Und sich dann sagen kann: Oh ja, es wird besser werden. Vieles. Ja, bitte!
Pastor Michael Babiel

 

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Impuls für den 15. April 2020

Die Corona-Krise mit der verordneten Verlangsamung unseres Lebens eröffnet uns neue

Perspektiven, neue Sichtweisen auf das eigene Leben und auf die Gestaltung unseres

Zusammenlebens. Manche Prioritäten verändern sich. Was wirklich wichtig ist, erschließt sich uns in

neuer Weise. Der Komponist Helge Burggrabe drückt diese Erfahrung mit den folgenden Worten aus:

Es ist Zeit

einfacher zu leben

dann wächst von alleine das Bedürfnis

alles Überflüssige, Anmaßende und Verschwenderische loszulassen,

äußeren Reichtum in inneren Reichtum zu verwandeln

und das Glück im Einfachen zu finden.

 

Es ist Zeit

achtsamer zu leben

dann wächst von alleine die Sehnsucht

wacher im Augenblick zu leben und das Große im Kleinen zu sehen,

anderen Menschen und der ganzen Schöpfung mit offenem Herzen zu begegnen

und tiefe Liebe, Mitgefühl und Dankbarkeit für das Leben zu entwickeln.

Es ist Zeit

bewusster zu leben

dann wächst von alleine die Tatkraft

eigene Verhaltensweisen zu überdenken und zu ändern

entschieden einzutreten für ein gerechteres Miteinander ohne Ausgrenzung

und aufzustehen für eine lichtvollere Welt.

 

Es ist Zeit

(Helge Burggrabe)

 

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Impuls für den 14. April 2020

Seit genau einem Monat bin ich zurück aus meiner Italienreise. Seit einem Monat höre und lese ich beunruhigende, erschütternde, traurige Nachrichten aus meiner Heimat.
Doch heute lese ich eine Nachricht, die ich als Hoffnungszeichen ansehe: Die Buchhandlungen in Italien dürfen wieder aufmachen. Die Verantwortlichen für die Krisenbewältigung haben erkannt, dass die Menschen mehr denn je nicht nur Futter für den Körper brauchen, sondern auch für die Seele.
"Der Mensch lebt nicht vom Brot allein", lese ich auf dem Plakat eines Eimsbütteler Supermarktes als Werbung für die benachbarte Buchhandlung, die um ihr Überleben bangt. Weise Worte, eine schöne Geste. Hoffnung keimt auf. Auch aus gedruckten Zeilen.
Pastorin Rossella Casonato

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Impuls für den 13. April 2020

Auferstehung

Und wenn am Ende der Passionszeit

wirklich die Auferstehung steht?

Wenn nach Verrat, Leid und Tod

tatsächlich ein neues Licht jegliche Finsternis vertreibt,

alte, überholte Herrschaftsstrukturen überwindet

und die Liebe zur obersten Handlungsmaxime erhebt?

Dann gibt es kein Zurück und nichts gilt mehr wie davor.

Dann findet auch heute Auferstehung statt, mitten in meinem Herzen!

 

Und wenn am Ende der Coronakrise

wirklich ein Neuanfang steht?

Wenn nach Unsicherheit, Angst und Krankheit

tatsächlich ein neues Bewusstsein jegliche Ignoranz vertreibt,

alte, überholte Handlungsmuster aufbricht

und das Mitgefühl mit allem Leben zum Maßstab erhebt?

Dann gibt es kein Zurück und nichts gilt mehr wie davor.

Dann findet heute Wandlung statt, mitten in meinem Leben!

(Helge Burggrabe, Passionszeit 2020)

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Impuls für den 11. April 2020

Der Himmel drückt schwer und grau. In die weiche Erde legen wir ihn. Wir legen alles zu ihm ins Grab, was wir waren in den letzten Tagen und Stunden.
Wir legen unsere Trauer mit in sein Grab, bis uns nichts mehr bleibt als der dunkle Himmel. Wir legen unsere Tränen mit in sein Grab. Unsere Augen sind nun leergeweint.
Wir legen all unsere Liebe mit in sein Grab, doch sie wird nicht weniger. Die Liebe bleibt.

Text: Angela Reinders
Bild: Uwe Appold

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Impuls für den 09. April 2020

Der Tisch an den wir eingeladen sind, ist leer. Es gibt diesen Tisch gerade nicht. Da sind Stühle, aufgestellt, ganz verschieden, aber leer. Leere. Sie macht sich breit. Wie können wir diese leeren Stühle füllen? Müssen wir das überhaupt? Vielleicht sollten wir einfach mal innehalten. Auf das Vor-dem-Kreuz, An-dem-Kreuz und das Nach-Dem-Kreuz schauen. Innehalten und beten.

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Impuls für den 08. April 2020

La Sagrada Familia. Die riesige, immer noch unvollendete Kirche in Barcelona, Meisterwerk von Antoni Gaudì. Zurzeit, wie alle Kirchen, leer. Die Fassade mit den Geschichten des Leidenswegs Jesu, die Passionsfassade, stammt nicht von Gaudí und ist sehr umstritten. An einer Stelle ragt eine helle Inschrift heraus, in katalanischer Sprache: "I que és la veritat?" Und, was ist die Wahrheit? Ein Satz aus dem Gespräch zwischen den bereits verhafteten Jesus und dem römischen Statthalter Pontius Pilatus.
Was ist die Wahrheit? In Zeiten von Fake News, manipulierten Daten und erfundenen Biografien fällt es schwer, diese Frage zu beantworten. Ist der Coronavirus doch gefährlicher als man uns glauben lässt? Sind nun die Virologen die alleinigen Hüter der Wahrheit in Sache Covid-19? Was stimmt? Was stimmt nicht?
Was ist Wahrheit? Diese Frage kann nur jede und jeder selbst beantworten.
Jesus hat einmal von sich gesagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben". Seine Worte sind mir gute Orientierung, ganz besonders in diesen Tagen.
Pastorin Rossella Casonato

 

 

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Impuls für den 07. April 2020

Wir rücken zusammen in diesen Tagen. Auch wenn man sich auf den Straßen und beim Lebensmittelhändler aus dem Weg geht. Für alle und für heute ein „Gebet für viele“. Von Lothar Zenetti

 

Behüte, Herr, die ich dir anbefehle,

die mir verbunden sind und mir verwandt.

Erhalte sie gesund an Leib und Seele

und führe sie an deiner guten Hand,

 

sie alle, die mir ihr Vertrauen schenken

und die mir so viel Gutes schon getan.

In Liebe will ich dankbar an sie denken,

o Herr, nimm dich in Güte ihrer an.

 

Um manchen Menschen mache ich mir Sorgen

und möchte ihm helfen, doch ich kann es nicht.

Ich wünschte nur, er wär bei dir geborgen

und fände aus dem Dunkel in dein Licht.

 

Du ließest mir so viele schon begegnen,

so lang ich lebe, seit ich denken kann.

Ich bitte dich, du wollest alle segnen,

sei mir und ihnen immer zugetan.

 

Einen gesegneten Tag wünsche ich Ihnen!

Pastor Michael Babiel

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Impuls für den 06. April 2020

In diesen Tagen der Passionszeit gedenken wir an den Leidensweg Jesu bis hin ans Kreuz. Wir richten unseren Blick aber nicht nur zurück, sondern Jesu Passion lässt uns auch sensibel und achtsam werden für die Leidenswege von Menschen in unserer Gegenwart. Jesus sagt sinngemäß, wenn Ihr in Eurem Leben Leidenden und in Not Geratenen begegnet, dann begegnet Ihr mir (Matthäusevangelium Kapitel 25, Verse 31 bis 40). Jesus will uns befreien vom Kreisen um uns selbst. Er will uns ermutigen, dass wir Anteil nehmen an der Not anderer und solidarisch füreinander einstehen.

Der evangelische Pastor und Theologe Dietrich Bonhoeffer, der vor 75 Jahren vom Naziregime ermordet wurde, hat diesen Gedanken der Zuwendung Gottes zu uns und unserer Zuwendung zu unseren Nächsten mit den folgenden Worten beschrieben:

Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,

flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,

um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.

So tun sie alle, Christen und Heiden.

 

Menschen gehen zu Gott in seiner Not,

finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,

sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.

Christen stehen bei Gott in seinen Leiden.

 

Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,

sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot,

stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod,

und vergibt ihnen beiden.

In diesem Vertrauen könnten wir uns in unserem Leben neu ausrichten, einander zu Nächsten werden und gerade darin die Nähe Gottes zu uns allen neu erfahren.

 

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Impuls für den 04. April 2020

Solidarität ist mehr als ein Wort

Die Corona-Pandemie ist eine große Herausforderung, für viele Menschen und Familien persönlich und existentiell, aber auch für uns als Gemeinschaft und Gesellschaft, für unser Miteinander. Wie weit reicht unsere Nächstenliebe? Wie weit reicht unsere Solidarität mit Anderen? Welche Belastungen sind wir bereit mit zu tragen?

Die Bilder und Nachrichten aus Italien und Spanien, aus gefährdeten Flüchtlingslagern in Griechenland und aus New York haben viele von uns sehr betroffen gemacht. Aber Betroffenheit allein reicht nicht aus. Tätige Hilfe und praktizierte Solidarität sind nötig im Blick auf lebenswichtige medizinische Hilfe, aber auch im Blick auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Wir dürfen die davon betroffenen Menschen und Staaten damit nicht allein lassen. Das Corona-Virus kennt keine Grenzen. Unsere Solidarität mit Anderen sollte auch keine Grenzen kennen.

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Impuls für den 03. April 2020

Vor gar nicht all zu langer Zeit haben wir noch zusammengesessen und Tränen gelacht.

Vor gar nicht all zu langer Zeit sind wir anderen nicht aus dem Weg gegangen.

Vor gar nicht all zu langer Zeit taten wir so, als wäre die Welt noch in Ordnung – nur in der weiten Ferne schien es nicht mehr so zu sein.

Vor gar nicht all zu langer Zeit durften Kinder noch rutschen und Sandburgen bauen.

Vor gar nicht all zu langer Zeit sind alle ihrer Arbeit nachgegangen und hatten dabei nicht mehr Verlustangst als sonst.

Vor gar nicht all zu langer Zeit teilten wir Brot und Wein, feierten Gottesdienst in Kirchen und planten den Weg der Passion, der bald am Kreuz mündet und mit einem Lichtschein erneuert.

Vor gar nicht all zu langer Zeit haben wir einfach so vor uns hingeschaut und sehnsüchtig auf den Frühling gewartet.

Vor gar nicht all zu langer Zeit waren wir andere als heute.

Vor gar nicht all zu langer Zeit ... manchmal fehlt mir diese Zeit!

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Impuls für den 02. April 2020

Schweigen möchte ich ….

 

Schweigen möchte ich, Gott,

und auf dich warten.

 

Schweigen möchte ich,

damit ich verstehe,

was in deiner Welt geschieht.

 

Schweigen möchte ich,

damit ich den Dingen und den Menschen nahe bin,

allen deinen Geschöpfen,

und ihre Stimme höre.

 

Ich möchte schweigen,

damit ich unter den vielen Stimmen

die deine erkenne und höre.

(frei nach Jörg Zink)

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Impuls für den 01. April 2020

Wo ist Gott? Wenn wir eine Antwort versuchen, reden wir in Bildern, anders geht es nicht. Und es gibt viele Bilder. Wie Fußspuren im Sand sehe ich die Spuren Gottes in meinem Leben – jemand hat mir zur Seite gestanden, als ich in Not war, hat mir zugehört, mich getröstet – Spuren Gottes in meinem Leben.

Und ich habe zugehört, als ein anderer von seinen Problemen sprach. Ich habe einem Menschen in Not geholfen – Spuren Gottes in einem anderen Leben. Gott hat sie durch mich gemacht.

Wo Gott ist, da ist Liebe. Wo Liebe ist, da ist Gott.

Und was ist, wenn Krieg ist? Was ist, wenn Menschen krank werden und sterben? Warum ist meine Mama tot, schreit ein Kind. Warum habe ich kein Zuhause mehr? Wo ist mein Vater? Warum hilft mir keiner? Warum solche Schmerzen? Warum gerade ich? Wo ist Gott?

Ich weiß es nicht. Ich schweige lieber, sagt der eine Mensch: Es gibt wohl gar keinen Gott. Ich weiß keine Antwort sagt ein anderer, aber ich halte dennoch fest an Gott. Er ist groß, verborgen und geheimnisvoll. Ich vertraue auf ihn.

Menschen suchen Gott. Wo bist du? Wer bin ich? Kann ich dich finden? Hilfst du mir? Menschen erzählen von Gott, loben ihn, sagen: Ja, ich glaube an Gott und an Jesus Christus. So lese ich es in der Bibel.

Menschen fragen nach Gott, immer wieder: Wo bist du, mein Gott, woran soll ich dich erkennen? Es gibt eine Antwort: Wo man ihn einlässt, da ist Gott. Wo Liebe ist, da ist Gott. Aber Gott sehen, das geht nicht. Mit Gott ist es wie mit dem Wind – du siehst, wie die Blätter sich bewegen, aber den Wind siehst du nicht.

 

 

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Impuls für den 28. März 2020

Gebet und Stimme. Natürlich sind wir alle angehalten, die Öffentlichkeit zu vermeiden und nur dann die eigenen vier Wände zu verlassen, wenn es unbedingt sein muss. Unsere Lebensmittel bekommen wir nur Draußen. Und manches andere auch. Wer also unterwegs sein muss, mag uns sehr gerne seine Gedanken und Gebete, die am besten schon zuhause zu Papier gebracht wurden, in unseren Gebetsbriefkasten werfen, den wir zu diesem Zweck vor unsere Kirchen aufgestellt haben. Wir müssen uns nicht immer in die Augen schauen, um beieinander zu sein. Ein kleines Gebet in den Briefkasten und wir nehmen es in unsere nächste digitale Andacht auf, wenn Ihr es nicht ausdrücklich verneint. Aber bitte – kommt nur, wenn Ihr sowieso nach draußen müsst.

 

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Impuls für den 27. März 2020

Kinderstimmen

 

Der rasende Roller, der den Aufsteller des Gebetsbriefkastens umrundet. Leer ist der Kasten, aber das Dröhnen der Räder steigt zum Himmel.

Lachendes Kind beim Fahrradfahren: »Oh, wie schön. So frei.«

Auf dem frischen Gras der Wiese werden Papierflieger in den Himmel steigen gelassen.

Die Mutter ruft dem laufenden Kind hinterher, dass es 2 Meter Abstand halten soll. Fröhlich läuft das Kind Slalom auf dem Gehweg und ruft: »Mach ich doch. Was sind zwei Meter?«

Ich möchte auch Kind sein. Ihre Leichtigkeit haben, ihre Freude an den kleinsten Dingen. So sollten wir die Tage begehen.

 

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Impuls für den 25. März 2020

»Eine Gesellschaft Stachelschweine drängte sich an einem kalten Wintertage recht nah zusammen, um sich durch die gegenseitige Wärme vor dem Erfrieren zu schützen. Jedoch bald empfanden sie die gegenseitigen Stacheln, welches sie dann wieder von einander entfernte. Wann nun das Bedürfnis der Erwärmung sie wieder näher zusammenbrachte, wiederholte sich jenes zweite Übel, so dass sie zwischen beiden Leiden hin und her geworfen wurden, bis sie eine mäßige Entfernung voneinander herausgefunden hatten, in der sie es am besten aushalten konnten. [...]

Die mittlere Entfernung, die sie endlich herausfinden, und bei welcher ein Beisammensein bestehen kann, ist die Höflichkeit und feine Sitte. Dem, der sich nicht in dieser Entfernung hält, ruft man in England zu: keep your distance!«

Dieser kleine Text des Philosophen Arthur Schopenhauer, der nicht gerade als Menschenfreund galt, trifft doch einiges, was wir uns gut zu Herzen nehmen können. Es kommt heute mehr als zu anderen Zeiten auf die richtige »Entfernung« zwischen den Menschen an.

Zusammen halten – Abstand halten – Zusammen Abstand halten!

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Impuls für den 24. März 2020

Furcht
Die unsichtbare Gefahr zeigt sich in leer geräumten Regalen, Kontaktverbot und dem schönsten Sonnenschein - so wie es vor Ostern zu
sein hat. Immer mehr blüht um mich herum und ich ziehe mich zurück. Zurück aus der Geselligkeit. Und Furcht macht sich breit. Ich denke an die
vielen Menschen, die alleine sterben mussten und müssen. Ich denke an die Menschen, die nicht zu ihren Lieben durften, um sich zu verabschieden. Auch sie sind alleine mit ihrer Trauer und ihrem Verlust. Gedachte Umarmungen und Beisammensein kann nicht wirklich trösten, was wir aber so dringend notwendig haben. Und ich singe leise: „Im Dunkel unsrer Nacht, entzünde das Feuer, das nie mehr erlischt, das nie mehr erlischt.“ (Taizé©lied)
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Impuls für den 21. März 2020

Bitte Abstand halten - ruft die Mutter ihrem Kind zu, das sich über etwas Bewegung auf dem Gehweg freut.

 

Bitte Abstand halten - singen sich die Nachbarn ihre gegenseitige Solidarität mit allen Menschen weltweit zu.

 

Bitte Abstand halten - wird dem Sohn gesagt, der nicht auf die Intensivstation zu seinen Eltern gehen kann.

 

Bitte Abstand halten – lässt der bald werdenden Mutter ihre Träume platzen, weil sie keine Begleitung für die Geburt mitnehmen kann.

 

Bitte Abstand halten – ermöglicht Kirche auf Abstand zu bringen und zu überdenken, ob Glaube nur analog geht oder nur analog geht.

 

Bitte Abstand halten – ruft die Regierung aus und kann nur empfehlen und nicht befehlen.

 

Bitte Abstand halten – lässt die Familie sich auf die kleinen Dinge besinnen, ohne Termine und Druck von außen.

 

Bitte Abstand halten – denken sich die Eltern, die verzweifelt überlegen, wie sie Homeoffice und Kinderbespaßung hinbekommen.

 

Bitte Abstand halten – lässt den Einsamen sehnsüchtig nach draußen blicken.

 

Bitte Abstand halten – lässt viele Menschen aktiv werden und ankämpfen gegen Ängste, Verunsicherung und Hilfe.

 

Bitte haltet Stand – durch Abstand – mit Verstand – und aus Anstand

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Impuls für den 20. März 2020

Es sprüht, sprießt und er ist nicht mehr aufzuhalten, der Frühling. In Zeiten der Verunsicherung entstehen neue Ideen, auch davon wie Gemeinschaft und Glaube neu und anders gelebt werden können #digitalekirche. Es ist erstaunlich: Chorprobe digital im Zuhause #SingToHopeChoir, Nachbarschaftshilfe, Andachten auf YouTube, Podcast zum Anhören von Impulsen und seit ein paar Tagen das #Balkonsingen zu »Der Mond ist aufgegangen«, um nur auf ein paar Sachen hinzuweisen. Die Menschen sind nicht (mehr) nur in der Schockstarre, sondern setzen sich ein. Und die Welle der Gemeinschaft ist nicht mehr aufzuhalten. So wie der Frühling. Jeden Tag sind mehr Knospen und Blumen und Blätter zu sehen. Das Leben kommt zurück und hält Einzug. Lasst uns täglich dankbar sein für unser und aller anderen Leben!

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Impuls für den 19. März 2020

Ich falle aus der Zeit. Komme nicht hinterher. Irgendwie ist alles anders. Seit fast einer Woche. Noch nie so gewesen. Haltlos im Strudel von Informationen, Verboten und Absagen. Geschlossene Gesellschaft, jede für sich. Steht Kopf. Ich bin überfordert und angestrengt. Aber vor allem verunsichert. Alle fallen grad aus ihrer Zeit, aus ihren Plänen und Träumen. Wann kommt die Normalität wieder? Gibt es ein Sprechen nach Corona? Oder nur noch ein Schweigen? Nein, natürlich nicht. Hoffentlich. Es gibt ganz viel Zuwendung, Ankämpfen gegen das Ausgeliefertsein und Hoffnung – verteilt wie bunt bemalte Steine, die unbedingt gefunden werden wollen. Lasst uns mehr dieser bunten Steine bemalen, verstecken und finden. #Ostersteine #stärkeralsdertod #hoffnunghamstern

 

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Impuls für den 18. März 2020

Genau vor zwei Monaten, am 18. Januar, fanden in der Alsterdorfer Sporthalle die zwei Aufführungen des Musicals "Martin Luther King - ein Traum verändert die Welt" statt. 1.300 Sängerinnen und Sänger im Chor, mehrere Tausend Besucher*innen, alle dicht an dicht: all das, was inzwischen auf gar keinen Fall mehr sein darf.
In dem Musical werden Stationen des Lebens des Baptistenpastors und Menschenrechtlers Martin Luther King dargestellt. Die Musik ist funk-soulig (von Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken), die Texte eindrucksvoll (von Andreas Malessa).
In einer Szene sitzt Martin Luther King im Gefängnis, verhaftet nach einem Protestmarsch. Er zweifelt an sich selber. Ist er ein guter Pastor? Oder lässt er jetzt seine Leute im Stich? Und seine Frau, seine Kinder, was denken sie von ihm? In diesrer tiefen Verzweiflung kommt die Heilige Geistkraft auf die Bühne, geht auf King zu und singt:
"Nimm meine Hand. Komm, ich halt dich fest. Hab keine Angst, ich bin hier. Wie eine Wand, wie ein starkes warmes Nest. Gottes Kraft und Geist bei dir. Ich halt' dich fest".
Und der Chor singt: " We shall overcome some day".

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Tag 4

Es gibt in diesen Tagen eine Reihe nie da gewesener Situationen und Herausforderungen. Viele Menschen müssen, oder wählen freiwillig, in Quarantäne zu Hause bleiben. Als Schutz für sich, aber vor allem für andere. Viele wohnen allein, sind es aber gewohnt, frei zu entscheiden, ob und wie viel sie Kontakt mit anderen Menschen haben. Diese Freiwilligkeit ist nun stark eingeschränkt, das allein Sein fällt vielen schwer. Ich möchte allen Mut machen, diese Zeit mit dieser Herausforderung als eine große Chance zu sehen, um daran zu wachsen.

Dazu ein Text:
"Die Einsamkeit hat mich gelehrt, dass das Zusammensein mit anderen etwas ziemlich Schönes ist, und das Zusammensein mit anderen hat mich gelehrt, dass die Einsamkeit etwas ziemlich Schönes ist..."
(Günter Radkte)

Möge es uns gelingen, in Erinnerung an die Schönheit des Zusammenseins mit anderen, die momentane Einsamkeit als etwas Schönes anzusehen.

 

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3. Tag

In Italien hat es wegen des Coronavirus bereits viele Todesfälle gegeben. Nicht selten war zu hören und zu lesen: "In den meisten Fällen handelte es sich um ältere Menschen mit schweren Vorerkrankungen".


Sollte diese Meldung etwa die Jüngeren beruhigen? Ich finde sie schlicht unbarmherzig und menschenverachtend! Und ganz und gar nicht biblisch.
Besonders in der hebräischen Bibel zeugen Geschichten davon, wie wichtig es ist, auf die Erfahrungen, die Weisheit, den Glaubensschatz der Älteren zu bauen. "Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch, und eure Söhne und Töchter sollen weissagen, eure Alten sollen Träume haben..." (Buch Joel).
Wie steht es um die älteren Menschen in deinem Leben? Was haben dir deine Eltern, deine Großeltern mit auf den Weg gegeben?
Nimm dir heute ein wenig Zeit, denke an sie und bete für sie. Ein Anruf tut auch gut.

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