Geistliche Angebote

 

Impuls für den 10. Juli 2020

Ein weiterer bemerkenswerter Gedanke von dem italienischen Physiker und Schriftsteller Paolo Giordano, den er unter der Überschrift „Die Mathematik der Vorsicht“ ausspricht: Von seinem Vater habe er gelernt, „dass in gewissen Situationen die einzige Form von Mut der Verzicht ist“ (Paolo Giordano, In Zeiten der Ansteckung).

Eine Überlegung, die für Corona-Zeiten gilt, aber auch darüber hinaus Bedeutung hat.

Pastor Helmut Kirst

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Impuls für den 9. Juli 2020

In seinen Überlegungen unter dem Titel „In Zeiten der Ansteckung“ gibt der italienische Physiker Paolo Giordano Denkanstöße zur Erfahrung und zu möglichen Konsequenzen der Corona-Pandemie und ihrer Folgen.

„Ich habe keine Angst zu erkranken? Wovor dann? Vor all dem, was die Ansteckung verändern kann. Davor, zu entdecken, dass das Gerüst der Zivilisation, wie ich sie kenne, ein Kartenhaus ist. Ich habe Angst vor der Vernichtung, aber auch vor ihrem Gegenteil: dass die Angst vorübergeht, ohne eine Veränderung zu hinterlassen.“ (Paolo Giordano, In Zeiten der Ansteckung)

Pastor Helmut Kirst

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Impuls für den 8. Juli 2020

"So wie ich bin, komme ich zu dir", heißt es in einem Lied im Kindergottesdienst. Menschen gehen in den Gottesdienst so, wie sie gerade sind: mit dem Herzen voll von Dankbarkeit, mit einigen Sorgen, mit tiefer Trauer, mit Zweifeln und Fragen, die noch keine Antwort gefunden haben. Seit dem "Neustart" der Gottesdienste bei uns in der Christuskirche kann das alles durch einen Gegenstand zum Ausdruck gebracht werden. Niemand redet, und doch spricht das Gemeinschaftsbild für sich. Kerzen, Blumen, Steine: stille Gebete, vor Gott gebracht. Ein Bild, das mein Inneres jedesmal neu berührt.

Pastorin Rossella Casonato

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Impuls für den 7. Juli 2020

Du Gott der Anfänge, segne uns,

wenn wir deinen Ruf hören,

wenn deine Stimme uns lockt

zu Aufbruch und Neubeginn.

 

Du Gott der Anfänge, behüte uns,

wenn wir loslassen

und Abschied nehmen.

 

Du Gott der Anfänge,

lass dein Gesicht leuchten über uns,

wenn wir im Vertrauen und Zuversicht

einen neuen Schritt wagen.

 

Aus dem alten Irland

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Impuls für den 6. Juli 2020

„Mensch und Tier“ heißt diese Skulptur, die auf dem Foto zu sehen ist. Sie steht im Hamburger Botanischen Garten. Wie ein guter Hirte, wie eine gute Hirtin hat der Mensch seine Arme schützend um das Tier gelegt. Ein anrührendes Bild, aber leider sieht die Realität in unserem Land anders aus. Tierrechte und Tierschutz werden aus ökonomischen Gründen weithin ausgehebelt. Und staatliche Organe ermöglichen dies häufig durch ihre Entscheidungen. Wie gerade geschehen im Bundesrat, der die tierquälerische Kastenstandhaltung für Muttersauen auf Jahre hin weiter erlaubt. Industrielle Massentierhaltung nimmt auf das Wohl der Tiere keine Rücksicht. Das massenhafte Töten von männlichen Küken, die für die industrialisierte Eierproduktion wertlos sind, ist dafür ein weiteres Beispiel. Ethische Ansprüche und moralisches Handeln gegenüber Tieren bleiben auf der Strecke.

Es braucht ein grundsätzliches Umdenken für unser politisches, gesellschaftliches, wirtschaftliches und landwirtschaftliches Handeln. Persönlich können wir sofort damit beginnen, indem wir weniger Fleisch oder gar kein Fleisch mehr essen, indem wir Produkte aus der Massentierhaltung nicht mehr kaufen, indem wir Firmen boykottieren, die tierquälerisch handeln.

Bei den Protestdemonstrationen gegen die Zustände im Fleisch verarbeitenden Tönnies-Werk im westfälischen Rheda-Wiedenbrück in der vergangenen Woche war auf einem Transparent die folgende Aufschrift zu lesen: „Wenn Tiere sprechen könnten, würden Menschen weinen.“

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Impuls für den 4. Juli 2020

Die jüdisch-christliche Spielart von Religiosität verheißt nicht, eine fixe Identität zu stiften.

Sie spricht vielmehr von Gott, der*die mit uns unterwegs ist, sich uns zuwendet, sich in die Welt verwickelt und immer neue Identitäten schenkt.

Nina Schumann, Pastorin

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Impuls für den 3. Juli 2020

Gestern habe ich dieses Schild an einem Restaurantschaufenster gesehen.

Ich habe gedacht: Oh Ja, das Problem kenne ich! Früher sind mir auch

solche Übersetzungsfehler passiert. Denn die romanischen Sprachen kennen

die doppelte Verneinung, die deutsche Sprache hingegen nicht. Und schon

hat man die Verständigungsprobleme auf dem Tisch. Die

Muttersprachler*innen machen sich womöglich über den Fehler lustig; die

Spanisch oder Italienisch Sprechende sind sich keines Fehlers bewusst,

sie haben schließlich wörtlich übersetzt. Meine Mutter pflegt zu sagen,

es wäre doch viel besser, es gäbe eine einzige, überall auf der Welt

verständliche Sprache, dann würden sich die Menschen endlich verstehen.

Ich wäre mir da nicht so sicher. Außerdem finde ich die breite Vielfalt

der Sprachen faszinierend und bereichernd. Aus Urlauben in Ländern,

deren Sprache ich nicht kannte, weiß ich, dass Verständigung auch anders

möglich ist. Das "Sprachwunder von Pfingsten" kann auch heute in unserem

Alltag geschehen. Mit oder ohne doppelte Verneinung.

Pastorin Rossella Casonato

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Impuls für den 2. Juli 2020

Pancakes für alle!

18 Jugendliche aus zwei verschiedenen Kirchengemeinden verbringen zehn Tage miteinander.

Endlich wieder Gemeinschaft!

Das hat gefehlt.

Etwas zaghaft noch die Annährung bei all den Hygienemaßnahmen.

Aber wir werden kreativ, was alles möglich ist:

imaginäre Bälle, die wir uns zuwerfen, um unsere Namen zu lernen;

Würfel-Apps auf den Handys für Brettspiele;

Fußball geht immer, jetzt sogar ohne Fouls

und eine Übernachtung im Kirchraum.

Am Morgen erwachen wir mit dem Licht, das durch die bunten Glasfenster scheint.

Ein kurzer Moment der Verzauberung,

bevor sich alle aus ihren Schlafsäcken schälen und leckere Pancakes zum Frühstück verspeisen.

Nina Schumann, Pastorin

 

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Impuls für den 1. Juli 2020

Ever tried.

Ever failed.

No matter.

Try again.

Fail again.

Fail better.

(Samuel Beckett)

 

Das Unmögliche immer wieder versuchen und schöner Scheitern lernen.

Der lichte, leichte, luftige Sommer ist eine gute Jahreszeit dafür.

Nina Schumann, Pastorin

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Impuls für den 30. Juni 2020

"Haben Sie Ihren Nasen-Mund-Schutz dabei?" "Bitte setzen Sie sich nur auf einen der ausgewiesenen Plätze. Bitte haben Sie dafür Verständnis. Die Ausgänge sind rechts und links vom Altarraum..." Sonntag um Sonntag sind die beiden da, freundlich, besonnen und hilfsbereit. Die Vorsitzende des Kirchengemeinderates Claudia Dreyer und Kirchenvorsteher Christian Hinrichs unterstützen die Küsterin beim Sonntagsgottesdienst. Mit großer Motivation und ehrenamtlich sorgen sie dafür, dass alle Hygienenmaßnahmen eingehalten werden. Liebe Claudia, lieber Christian: wir sagen von Herzen DANKE!

Pastorin Rossella Casonato

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Impuls für den 29. Juni 2020

Manchmal stimmen Jubiläen nachdenklich und machen traurig oder auch wütend. So plakatiert die zivile Seenotrettungsinitiative Sea-Watch e. V. zurzeit: „5 Jahre Sea-Watch. Kein Grund zum Feiern.“ Seit 2015 retten engagierte Mitglieder von Sea-Watch e.V. Flüchtende im Mittelmeer aus Seenot. Weil die europäischen Staaten und die europäischen Institutionen ihrer humanitären Verantwortung nicht nachkommen, ist dieses zivile Engagement nötig und wichtig. Doch leider gibt es immer wieder von staatlichen Stellen in Europa Versuche, dieses humanitäre Engagement zu kriminalisieren. Nächstenliebe und solidarisches Engagement werden unter Strafandrohung gestellt. Heute ist es nicht anders als zur Zeit Jesu. Wer Anderen, wer Fremden hilft, macht sich verdächtig.

Wo staatliche Hilfe und Verantwortungswahrnehmung durch europäische Institutionen nötig wären, erfolgen Abschottung und inhumane staatliche Reaktionen. Dieser moralische Bankrott der europäischen Wertegemeinschaft macht traurig und auch wütend. Es bleibt weiterhin wichtig, bei den europäischen Staaten und Institutionen die Wahrnehmung ihrer humanitären Verantwortung einzufordern. Aber im Moment ist das zivile humanitäre Engagement unverzichtbar. Unsere Spenden und unsere Hilfe sind wichtig für Menschen in Not.

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Impuls für den 27. Juni 2020

Ein befreundetes Paar hatte vor einigen Tagen 30. Hochzeitstag. Ich habe ihnen gratuliert und meine Bewunderung ausgesprochen. Dann habe ich gedacht: Das werde ich wohl selber nicht erleben. So lange bin ich schon geschieden, und ein potenzieller Bräutigam ist weit und breit nicht in Sicht...
Ob mir die Vorstellung Kummer macht? Nein. Denn ich liebe und werde geliebt. Liebe breitet sich aus auch jenseits einer engen Paarbeziehung. Die göttliche Quelle aller Liebe hat es so angelegt, frei und großzügig.
"Love is in the Air".

Pastorin Rossella Casonato

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Impuls für den 26. Juni 2020

Zwei Geraden, die sich kreuzen. Nebeneinander sind es nur zwei beliebige Linien, die nicht zusammenkommen. Aber fällt die eine in die andere, so entsteht etwas Neues. Ein Mehr, eine Zugabe, etwas Unerwartetes. Mögen sich Wege und Blicke, Biografien und Schicksale doch häufiger kreuzen.

Pastorin Maria Gutjahr

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Impuls für den 25. Juni 2020

Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf meinen Fuß, hat einen Zettel im Schnabel mit einem Gruß: »Sei heute lieb zu dir selbst. Du bist genug, einfach, weil du bist, wie du bist!«

 

Pastorin Maria Gutjahr

 

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Impuls für den 24. Juni 2020

Was ist beten? Sich sprechend vor Gott bringen. Aber auch: Sich schweigend vor Gott bringen. Beides ist wichtig. Da, wo wir sprechen, hört Gott. Und da wo wir schweigen, hören wir. Wenn wir alles uns Bedrängende vor Gott ausgesprochen haben, dürfen wir es gut sein lassen, Gott hat es gehört. Schweigen wir aber, kann auch Gott etwas sagen, und wir können hören… In einem Morgenlied aus dem Gesangbuch heißt es: „Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr. Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht. Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.“ Ja, Gott weckt uns jeden Morgen und setzt uns instande, schweigend ganz Ohr zu werden, was er uns jeden Tag sagen will.

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Impuls für den 23. Juni 2020

Der Sommer steht vor der Tür und mit ihm die große Verheißung: Pause, Durchatmen und Erholung! Die Zeugnisse sind verteilt, die Urlaube lange geplant und plötzlich die große Frage: Wohin?

Alle fahren an die Ost- oder Nordsee... So sagt man. Alles andere trauen sich viele nicht dank der unsichtbaren Verunsicherung, die uns seit Anfang des Jahres umtreibt. Alle Menschen mit Garten, Haus oder Ferienobjekt werden sehr beneidet. Welche Rückzugsorte haben wir eigentlich? Was brauchen wir wirklich? Wo bekommen wir etwas Abstand von unseren Alltagsgeschäftigkeiten? Vielleicht ist die Frage gar nicht so sehr wo, sondern eher eine Frage des Wie? Wie gelingt es mir nämlich, Abstand von mir selbst zu bekommen? Abstand zum Durchatmen, Abstand zum Abschalten, Abstand, um manche Prioritäten zu ordnen ... Abstand also,  um wieder ganz ich selbst sein zu können und nicht nur ein menschliches Bündel aus Rollen, Pflichten und Aufgaben.

Denn neben allem, was wir sonst so in unserem Alltag bewältigen, dürfen wir nicht vergessen, dass auch wir selbst uns Aufgabe sind.

Der Urlaub kann und muss also kommen! Wir haben ihn nötig! In und bei allem!

Pastorin Maria Gutjahr

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Impuls für den 22. Juni 2020

Gott,
bewahre mich vor dem naiven Glauben, es müsste im Leben alles glatt gehen.
Schenke mir die nüchterne Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge, Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, wodurch wir wachsen und reifen.
Halte mich fest, wenn ich versucht bin, verbittert zu werden.

Communität Casteller Ring

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Impuls für den 20. Juni 2020

Der Blick nach oben ist zugleich ein Blick nach unten.

Ich fühle mich angesehen! Von dir. Dir schaue ich zu! Auch wenn der Himmel mich blendet.

Der Blick nach oben ist manchmal wie ein Seufzen ... So offen und frei könnte es sein. »Könnte«, muss ich sagen. Leider!

Da zieht sich was zu. Das weiße Federkleid überdeckt das große runde Warme.

Was siehst du eigentlich? Einen Vogel, der durch die Luft fliegt?

Siehst du mich?

Pastorin Maria Gutjahr

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Impuls für den 19. Juni 2020

Das "Moral-o-mat", ein Sätze-Zufallsgenerator auf meinem Schreibtisch, hat vor drei Tagen mir diesen Spruch präsentiert: "Hoffnung ist in gewisser Hinsicht immer Gabe und Aufgabe zugleich."
Hoffnung ist ein Geschenk, das empfinde ich schon lange so. Aber Hoffnung als Aufgabe? Ich denke und denke darüber nach, langsam kann ich auch diesem Teil des Satzes etwas abgewinnen. Das ist der Ansporn, weiter zu hoffen, auch und gerade wenn alles um mich herum hoffnungslos erscheint. Hoffen gegen jegliche Beweislage. Hoffen als tägliche Übung, wie Yoga am Morgen. Ob es mir gelingt? Gott, ich brauche deine Hilfe!

Pastorin Rossella Casonato

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Impuls für den 18. Juni 2020

Glücklich ist,

wer sein Glück

mit anderen teilt.

 

Glücklich ist,

wer einen Menschen kennt,

von dem er sagen kann:

Ich bin froh,

dass es dich gibt!

 

Glücklich ist,

wer daran glaubt,

dass es nie im Leben

zu spät ist,

neu zu beginnen…

 

(Adalbert L. Balling)

 

Pastor Michael Babiel

 

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Impuls für den 17. Juni 2020

Da braut sich was zusammen.

Menschen gehen auf die Straße, demonstrieren, flehen und hoffen, auf eine Welt, die ein wenig besser wird.

Auf eine Welt, die zwischen Menschen keine Unterschiede macht.

Auf Menschen, die zwischen Menschen keine Unterschiede machen.

Die Stimmung wird gereizter. Beängstigender.

Wohin soll das alles noch führen?

Menschen wird die Luft zum Atmen genommen.

Ich kann grad nicht anders – als stumm zu sein.

Oder sprachlos.

Die Worte bleiben mir im Halse stecken.

Was ist nur los mit Dir?

Mensch?

Mensch!

 

Pastorin Maria Gutjahr

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Impuls für den 16. Juni 2020

»Der eine sieht nur Bäume – Probleme dicht an dicht.

Der andre auch Zwischenräume –  und das Licht.«

[E. Matani]

 

Pastorin Maria Gutjahr

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Impuls für den 15. Juni 2020

Du stehst hier. Bei Wind und Wetter. Zu jeder Tageszeit. Ob der Tag beginnt oder die Sonne untergeht. Du stehst da! Aber wer steht da mit dir? Fühlst du dich nicht manchmal auch einsam? Wer will eigentlich noch mit dir stehen und für was stehst du da eigentlich? Wo sind die Stimmen, die für dich einstehen?

Pastorin Maria Gutjahr

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Impuls für den 13. Juni 2020

Du hast mich geträumt, Gott,
wie ich den aufrechten Gang übe
und niederknien lerne,
schöner als ich jetzt bin,
glücklicher als ich mich traue,
freier als bei uns erlaubt.

Höre nicht auf
mich zu träumen, Gott.
Ich will nicht aufhören,
mich zu erinnern,
dass ich dein Baum bin,
gepflanzt an den
Wasserbächen des Lebens.

Dorothee Sölle

 

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Impuls für den 12. Juni 2020

Echte Begegnung geht eben doch nicht digital

Ich sitze am Tisch eines Restaurants auf dem Gehweg in der Osterstraße.

„Möchten Sie unsere Ausgabe? Die erste wieder, seit langem?“

Ich lächle den freundlichen Hinz&Kunzt-Verkäufer an und sage: „Nein, vielen Dank. Ich habe einfach im Moment keine Zeit zu lesen.“

„Vielleicht ‘ne Spende für ‘nen Kaffee?“

Ich hole eine Münze aus meinem Portemonnaie. »Freigekauft« schießt es durch meinen Kopf.

„Wir haben ja viel digital gemacht. So in Corona-Zeiten. Das wurde auch von vielen Menschen gelesen. Aber jetzt sind wir Verkäufer wieder auf der Straße. Läuft aber echt schlecht an.“

„Hm!?“, sage ich, „Ist ja vielleicht ein Zeichen, dass Ihr auch weiter im Digitalen was macht!?“

„Ja, aber es geht ja darum, dass wir auf der Straße sind. Dass wir in Kontakt kommen!“

 

Was geht digital? Was geht nicht digital?

 

Wenn ich die Hinz&Kunzt-Website runterscrolle bekomme ich Informationen. Die Fotos von der Seite habe ich schon vergessen.

Das Gesicht des Mannes mit der hellblauen Einweg-Maske von heute Mittag und ein Gefühl dazu, die sind noch präsent. Davon kann und will ich mich nicht freikaufen.

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Impuls für den 11. Juni 2020

»Hera fand Gefallen

an der Nymphe Echo

und ihrem Plappermaul

- ließ sie gewähren,

statt zu strafen.

 

So rief Echo,

als Narziß vom

eigenen Bild gebannt

fast ins Wasser fiel,

selbst vorlaut:

Das bist doch du!

 

Er wandte sich um,

und seine Neugier

galt ihr.

 

Keine Narzisse wuchs,

doch beider Rede wurde Schrift.«

[Dagmar Leupold, »Narziss und EchoI«]

 

Pastorin Maria Gutjahr

 

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Impuls für den 10. Juni 2020

Am letzten Sonntag standen wir bei einem Abendgottesdienst hinter der Christuskirche vor einer bunten Blumenwiese, vor Wildem Senf und Wegrauke, vor Kornblume und Klatschmohn, Margerite und Ochsenzunge. Diese sonnenbeschiene Fläche ist zu einem Lebensort für viele Insekten geworden. Und zu einer Augenweide. Zu verdanken haben wir dies vor allem der Initiative „Buntes Band Eimsbüttel“.

Wir haben uns erinnert an die Worte Jesu von den „Lilien auf dem Feld“. Jesus verstand die Sprache der Blumen so wie er die Kinder verstand und all die, die nicht viel zu melden haben in dieser Welt. „Schaut die Lilien auf dem Feld an. Sie säen nicht, sie ernten nicht und unser himmlischer Vater versorgt sie doch.“

Mit seinen Worten bezweifelt Jesus überhaupt nicht, dass wir Sorgen haben. Er ist den Menschen ja nachgegangen, hat sie gefragt: Was brauchst du? Was soll ich für dich tun? Jesus zeigt uns die Blumen und erinnert uns daran, dass diese - wie alle Mitgeschöpfe - aus Gottes Güte leben. Gott sorgt für sie und dann erst recht auch für uns. Wir dürfen uns deshalb ein paar Sorgen weniger machen.

Immer wieder begegnen wir Menschen, die nun allen Grund haben, sich zu sorgen. Im Moment denke ich da vor allem an die, die unter der Coronapandemie am meisten zu leiden haben: Geflüchtete und Obdachlose, plötzlich arbeitslos Gewordene, Kinder, denen es an Ansprache und Fürsorge fehlt. Gott will auch für sie sorgen, und dazu braucht er unsere Hilfe. Menschen haben Angst, Menschen brauchen zu Essen und zu Trinken, ein Dach über dem Kopf, eine Arbeit und Chancen für ihre Kinder. Und da braucht es unser Tun, damit Gott durch uns für diese Menschen sorgen kann.

Ich weiß, unsere Möglichkeiten sind begrenzt. Aber das ist kein Grund, nicht da anzufangen, wo wir etwas tun können. Und dann sind wir ganz nah bei Jesus, der möchte, dass wir unser Herz berühren lassen. Dann werden die eigenen Sorgen auf das richtige Maß zurückgeführt. Es geht im Leben ja nicht nur um mich, es gibt auch die rechts und links von mir, die mich brauchen. Und ihre Sorgen werden kleiner durch mich. Und mir wird jemand anders helfen. Ein Nachbar, ein Engel, Gott oder eben der Anblick einer wunderbaren Blütenwiese wie jene bei der Christuskirche.

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Impuls für den 9. Juni 2020

Der erste Gottesdienstbesuch nach Monaten, er stand mir bevor. Zumal ich zu denjenigen gehörte, die noch länger mit dem Neustart gewartet hätte.
Der erste Gottesdienstbesuch nach Monaten: es war seltsam und schön zugleich. Der vertraute Raum, die Farben der Fenstern, der Klang der Orgel, all das unverändert. Freundliches Nicken zu den anderen Besucher*innen, Augenkontakt über die Maske hinweg. Worte, die Mut machen und trösten. Ich habe mich wohler gefühlt als erwartet. Ich fühlte mich willkommen, mit all meinen widersprüchlichen Gefühlen, Bedenken und Fragen. Und ich fühlte mich auf besondere Weise mit den anderen "Maskierten" verbunden.
#ihrseidwillkommen

Pastorin Rossella Casonato

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Impuls für den 8. Juni 2020

„Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!“ (Jesaja 58, 7)

Die Menschen, die sozial sowieso schon in einer prekären Situation leben, sind von der Corona-Pandemie mit am stärksten betroffen und gefährdet. Dazu gehören auch die Geflüchteten in den überfüllten Flüchtlingslagern am Rande Europas. Die ohnehin schon unwürdige Lebenssituation wird durch die Corona-Krise noch verschärft, weil in den beengten Wohnverhältnissen die mögliche Ansteckungsgefahr noch erhöht ist.

Europas Solidarität mit bedrohten und verfolgten Menschen endet an den Außengrenzen Europas. Nicht erwünscht. Wir haben genug mit den eigenen Problemen zu tun. Menschlichkeit und Nächstenliebe gelten nicht für alle. Auch die innereuropäische Solidarität zwischen den Staaten, die helfen wollen und denen, die nicht helfen wollen, findet hier ihre Grenze. Abschotten ist bei vielen angesagt. Die europäische Wertegemeinschaft erleidet Schiffbruch. Das Haus Europa ist nicht offen.

Wie gut, dass es biblische Texte gibt wie beim Propheten Jesaja, die unser Handeln infrage stellen und uns daran erinnern, dass die Solidarität Gottes allen Menschen gilt. Wie gut, dass es Menschen gibt, die sich in ihrem Denken und Handeln daran orientieren und sich dafür einsetzen, dass die Geflüchteten menschenwürdig behandelt werden.

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Impuls für den 6. Juni 2020

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um Brot zu teilen und Menschen zu segnen. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf den Weg der Gerechtigkeit und des Friedens zu führen. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um in Menschen neue Hoffnung zu wecken. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um heilend und tröstend an der Seite anderer Menschen zu sein.

(Nach einem mittelalterlichen Gebet)

Christus hat keinen Körper - außer Deinem. Keine Hände, keine Füße auf der Erde - außer Deinen. Es sind deine Augen, mit denen er sieht - er leidet mit dieser Welt. Es sind deine Füße, mit denen er geht, um Gutes zu tun. Es sind deine Hände, mit denen er die Welt segnet. Christus hat jetzt keinen Körper auf der Erde - außer Deinem.

Teresa von Avila (1515–1582)

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Impuls für den 4. Juni 2020

Mal ‘ne Runde durchlüften!

Die Stimmung ist angeheizt.

Die Luft vibriert.

Schimpfworte, stampfende Füße, wütende Blicke und zornige Gesten schießen durch den Raum und treffen ins Herz.

„So, Ihr Lieben, anzieh‘n und ‘ne Runde durchlüften!“

Das wirkt Wunder. Erfahrungswert.

Bis 14 Jahre lässt sich kind das vielleicht noch sagen. Ab und an.

Häufiger würd‘ ich das gern mir selbst sagen.

Manchmal würd‘ ich das gern in Erwachsenenrunden vorschlagen.

Immer öfter durchzuckt es meine Finger, um es Abwertungskommentaren in sozialen Netzwerken einzuschreiben.

So sehr wünsche ich es mir für unsere Gesellschaft.

Und ich höre nicht auf zu hoffen, dass sich Kirche daran erinnert:

Heilige Geistkraft! Bitte mal ‘ne Runde durchlüften!

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Impuls für den 3. Juni 2020

Manchmal ist es gut, in all dem Stimmengewirr sich zu fragen: Worauf sollen wir hören? Was ist wahr? Was zählt?... Dazu ein schöner Text von Lothar Zenetti:

Worauf sollen wir hören, sag uns worauf?

So viele Geräusche –

                welches ist wichtig?

                So viele Beweise –

                               welcher ist richtig?

                So viele Reden –

                               ein Wort ist wahr

 

Wohin sollen wir gehen, sag uns wohin?

                So viele Termine –

                               welcher ist wichtig?

                So viele Parolen –

                               welche ist richtig?

                So viele Straßen –

                               ein Weg ist wahr.

 

Wofür sollen wir leben, sag uns wofür?

                So viele Gedanken –

                               welcher ist wichtig?

                So viele Programme –

                               welches ist richtig?

                So viele Fragen –

                               die Liebe zählt.

 

               

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Impuls für den 2. Juni 2020

Am vergangenen Montag tötete der weiße Polizist Derek Chauvin bei einem Einsatz in Minneapolis/USA den Schwarzen George Floyd, indem er sich minutenlang auf dessen Hals kniete, völlig unbeeindruckt von den Hilferufen seines Opfers. „Ich kann nicht atmen“ („I can not breathe“) rief Floyd mehrmals. Der weiße Polizist drückte seinem schwarzen Opfer auch dann noch die Luft ab, als dieser schon bewusstlos war. In den USA hat dieser Vorfall massive Proteste ausgelöst. Denn es ist zum wiederholten Mal ein Ausdruck von brutaler rassistischer Gewalt weißer Polizisten gegen schwarze US-Bürger.

Dieser Vorfall ist zu einem Symbol geworden für die Folgen von Gewalt und Unterdrückung gegen andere Menschen. Wo struktureller Rassismus, Demütigung und strukturelle Gewalt und Unrecht andere Menschen unterdrücken, da wird ihnen die Luft zum Atmen genommen. Da bleibt ihnen im wörtlichen und übertragenen Sinne die Luft weg, die sie zum Leben brauchen.

Pfingsten mit seiner Erzählung vom Wirken des göttlichen Geistes, ist ein kräftiger Einspruch gegen alle Lebensverhältnisse, in denen den Menschen die Luft zum Atmen genommen wird. Die Heilige Geistkraft ist lebensschaffender Hauch oder Odem Gottes, der uns Menschen in ein menschenwürdiges Leben ruft, oder dieses zumindest verheißt. Für uns heißt das: Richtet euer Leben daran aus, dass allen Menschen die Luft zum Atmen gegeben ist und zusteht. Darum auch haben manche Menschen bei den Protesten gegen diese brutale Gewalttat Transparente getragen mit der Aufschrift: Kein Frieden ohne Gerechtigkeit.

In einem Lied heißt es: „Gott gab uns Atem, damit wir leben, er gab uns Augen, dass wir uns sehn. … Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn.“ Wie gut, dass wir das Pfingstfest feiern. Denn der lebensschaffende Geist Gottes kann uns die Augen und Ohren öffnen, damit wir uns berühren lassen vom Unrecht, das anderen Menschen geschieht und damit wir uns dafür einsetzen, dass es anders wird, damit Frieden, Menschlichkeit und Gerechtigkeit eine Chance bekommen in dieser Welt.

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Impuls für den 30. Mai 2020

"Liebe, heilige Geistkraft.
Du bist meine Pippi Langstrumpf.
Wenn ich verzagt bin,
allzu angepasst,
mich klein fühle,
besuchst du meine Annika-Seiten.
Liebe, heilige Geistkraft.
Nachbarin aus Villa Kunterbunt.
Du lockst mich in eine andere Welt.
Du bist die Stimme, die mich ermutigt,
meine Stimme zu nutzen.
Die mich auffordert, beherzt zu sein.
Die mich mitreißt, die Welt zu verändern,
zu beschenken und neu zu sehen.
...
Du bist so frei. So autark. Überhaupt nicht käuflich.
Du wehst immer noch, wo du willst.
Du beschenkst mich mit den kühnsten Träumen und mit dem Mut, sie zu verwirklichen."
(Christina Bruderek, Worte meines Herzens, Gebete für Frauen)

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Impuls für den 29. Mai 2020

Pfingsten nähert sich, das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Eine seinerzeit kleine Gemeinschaft empfängt den Geist, Pfingsten wird zur Geburtsstunde der Kirche in ihrer Gestalt als Gemeinde. Und diese Gemeinde fühlt im Wirken dieses Geistes Gottes Leidenschaft für die Welt noch einmal ganz neu, sie spürt Gottes tröstende, bestärkende und auch fordernde Kraft – seitdem vertraut sie darauf, in dieser Kraft gegründet zu sein und zu bleiben.

Das hat in der Kirche immer auch die Neigung hervorgebracht, diesen Geist zu zügeln, ihn einzufangen in vertraute Formeln und Formen, ihn zu „besitzen“. Das geht aber nicht. Denn der Geist Gottes weht, wo er will, auch über die Zäune unserer Traditionen hinweg. Das sagt selbst die Bibel. Dieser Geist bläst Alteigenes weg und weht Neues herbei. Leben in diesem Wind bedeutet steter Austausch, schafft Lebendigkeit und weicht gewohnte Grenzen auf. Auch zwischen Religionen und Weltanschauungen. Denn auch woanders kann doch so manches inspirieren…

Manches Neue und Ungewohnte entdecken wir ja in diesen Zeiten - Videokonferenzen und (in der Gemeinde) auch -andachten, überhaupt verstärkte Präsenz in sozialen Medien. Und sind erstaunt, dass geistliches Leben, Leben „im“ und „mit“ dem Geist, der tröstet, bestärkt und fordert, auch auf diese Weise möglich ist. Wir berühren einander anders, aber bleiben ja nicht unberührt.

Die Folgen dieser Entdeckung sind noch nicht absehbar, aber hier und da wird nicht nach einem einfachen „zurück“ zu Vor-Corona-Verhältnissen gerufen, sondern gefragt, was gut und sinnvoll ist für ein Leben nach der Pandemie. Da wird der eine oder die andere Althergebrachtes in unseren Umgangsformen, in unserem gottesdienstlichen Feiern kritischer sehen – und den neuen Formaten unseres Miteinanders, unseres Begegnens und Feierns eine bleibende Chance geben wollen.

Gut so, auch wenn alles jetzt Ausprobierte selbst auch kritisch hinterfragt werden muss. Wir erleben eine Zeit des Experimentierens, jede/r in seiner/ihrer Lebenswirklichkeit, aber auch in der Gemeinde, die ihre manchmal engen Kreise öffnet, neue Formen entdeckt und frischen Wind reinlässt – einen Geist, der kräftigt, trotz dieser Zeiten, in diesen Zeiten und in der Zukunft.

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Impuls für den 28. Mai 2020

Leere Kirche, voller Glaube?

Menschen haben für vieles Pläne. Eigentlich für alles, vor allem aber für Krisenzeiten. Ob sich irgendjemand in den letzten Jahrzehnten wirklich realistisch ausmalen konnte, dass Sonntagsgottesdienste in Deutschland wochenlang würden ausfallen müssen? Ich jedenfalls nicht. Es ist also nicht verwunderlich, dass sich zunächst eine gewisse theologische Unruhe breitmachte, da Gottesdienste ohnehin schon mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen hatten und jetzt also auch noch der Totalausfall, das vorläufige Ende des Wochenhöhepunktes christlichen Lebens. Gibt es eigentlich Kirche ohne Gottesdienst? Oder ist Gottesdienst mehr oder gar etwas anderes als das, was es in Kirche gibt?

»KIRCHE LEER UND DOCH ALLE DRIN« stand in bunten mit Kreide geschriebenen Großbuchstaben auf dem Boden vor der Christuskirche. Vermutlich ist das das kürzeste Glaubensbekenntnis der Welt und es wendet spielerisch die Verzweiflung, die so viele fühlen zu einem DOCH und zu einem Immer-in-Gemeinschaft-sein, das über alle physische Präsenz hinausgeht. Es steckt etwas von Leib und Blut Christi in diesen bunten Kreidespuren, die meine Augen wie ein Abendmahl genießen, hier, jetzt, im Vorübergehen.

Vielleicht war die Kirche unvorbereitet, vielleicht ist manches allzu sehr improvisiert und anderes nicht ambitioniert genug, es zeigt sich aber, dass im Schatten der herkömmlichen Sonntagsgottesdienste ein digitales Herz schlägt, das auf seine Weise in der Lage ist, einen Gottesdienst zu bescheren. Leere Kirche und trotzdem voller Glaube: Möchte man eigentlich den klassischen Sonntagsgottesdienst alternativlos wiederhaben?

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Impuls für den 26. Mai 2020

Ein italienischer Freund schreibt auf seiner Facebook-Seite:
"Ich trage einen Mund-Nasen-Schutz und halte Abstand von dir. Ich möchte, dass du weißt: ich respektiere dich und da ich infiziert, aber ohne Symptome sein könnte, möchte ich dich nicht anstecken. Nein, ich lebe nicht in Angst, ich möchte lediglich Teil der Lösung und nicht Teil des Problems sein. Ich fühle mich nicht von der Regierung kontrolliert, sondern wie ein erwachsener Mensch, der seinen Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leistet.
Den Mund-Nasen-Schutz tragen und Abstand zu halten, beides macht mich nicht zu einem Feigling, schon gar nicht zu einem "Fremdgesteuerten". Ganz im Gegenteil. Dadurch zeige ich, dass ich mir Gedanken mache und mit Respekt handle. Stell dir vor, ein dir sehr naher Mensch infiziert sich und erkrankt schwer... Du hast die Wahl".

Pastorin Rossella Casonato

 

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Impuls für den 25. Mai 2020

Die vergangenen Wochen haben es deutlich gezeigt: Die Corona-Krise deckt Missstände und soziale Ungleichheiten auf, die es vorher schon gab, die aber jetzt zugespitzt zu Tage treten. Um einige Beispiele zu nennen: Etwa in der Fleisch verarbeitenden Industrie. Durch die hohen Ansteckungsquoten in mehreren Schlachthöfen zeigt sich, unter welchen unwürdigen Wohnbedingungen die dort tätigen Mitarbeiter aus Osteuropa oftmals leben müssen. Auch die schwierigen Arbeitsbedingungen und die zu geringe Bezahlung der in der Pflege Tätigen wurde deutlich. Und ebenso die menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Menschen in den Flüchtlingslagern. Die Corona-Krise wirft dringliche Fragen nach gerechten Lebensverhältnissen auf. Diese Fragen werden uns begleiten auch über die augenblickliche Situation hinaus. Und diesen Fragen müssen wir uns stellen und Veränderungen herbeiführen, wenn Solidarität und Nächstenliebe nicht bloße Worte bleiben sollen.

Pastor Helmut Kirst

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Impuls für den 23. Mai 2020

Viele Jahre krank sein, keine Heilung in Sicht, und dann die Hoffnung nicht zu verlieren: wie geht das?
In der Bibel wird von einer Frau erzählt, die 12 Jahre an chronischen Blutungen litt. Nichts und niemand hatte ihr helfen können. Eines Tages hört sie von Jesus. Sofort weiß sie: Er wird ihr Leben verändern. "Wenn ich nur seine Kleider berühren könnte, so würde ich gesund." Und so geschieht es. 12 Jahre Krankheit haben die Frau nicht völlig resignieren lassen. Sie hat sich die Zuversicht bewahrt, ein Wunder erleben zu können. Eine solche Zuversicht wünsche ich mir und uns.
"Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hin halten.
(Hilde Domin)

Pastorin Rossella Casonato

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